10.11.2018

1. Suchen und Finden

Wo finde ich bereits zugelassene Verpackungen (bzw. Zulassungsscheine)?

Verpackungs-Recherche


Wie wähle ich die richtige Verpackung aus?

Wie Sie vorgehen müssen, um die richtige Verpackung für einen spezifischen Gefahrstoff zu finden, erfahren Sie unter Verwendung von Gefahrgutverpackungen.


Hersteller bestimmter Verpackungen z.B. 6HA1, 6HG2 …finden

Verpackungs-Recherche


Alle Zulassungen eines bestimmten Herstellers finden

Verpackungs-Recherche


Prüfstellen - welche gibt es noch außer der BAM?

Für die Prüfung von Verpackungen, Großpackmitteln (IBC) und Großverpackungen (LP) ist in Deutschland die Bundesanstalt für Materialforschung zuständig.

Die BAM hat aber auch Prüfstellen anerkannt, die diese Bauartprüfungen durchführen und an welche Sie sich ebenfalls wenden können. Auf der Liste der von der BAM anerkannten Prüfstellen finden Sie die Bemerkung: "anerkannt für". Dort werden die Bauartcodes aufgelistet, für die diese Prüfstelle anerkannt wurde.

Eine Liste ausländischer Zulassungs-, Prüf- und Überwachungsstellen (soweit sie uns bekannt sind) ist unter Regelwerke "Ausland" zu finden.


2. Ausland


Anerkennung von BAM-Zulassungen im Ausland


Problemstellung:

Die Anfrage bezüglich der Anerkennung von "UN-zertifizierten" Verpackungen der BAM durch ausländische Stellen hat verschiedene Aspekte:

Keine Akzeptanz der Zulassung, da nicht von einem deutschen Ministerium ausgestellt
Prüfvorschriften bei Kunststoffverpackungen - abweichende Verträglichkeitsprüfung, die von der zuständigen Behörde (BAM) anerkannt wurde
Pestizid schädigte koextrudiertes PE/PA bzw. PE/EVOH mehr als die Standaradflüssigkeiten - Entwicklung neuer Labormethode durch Hersteller

Antwort:

1. Zuständigkeit der BAM

Die Zuständigkeit der BAM für die Bauartprüfung, Bauartzulassung und Fertigungsüberwachung von Verpackungen mit UN-Kennzeichnung ist in den nationalen deutschen Verordnungen festgelegt. So findet sich in §6 (2) Nr. 8 der GGVSE die Aussage, dass die BAM zuständig ist für

die Prüfung, die Anerkennung von Prüfstellen und Sachkundigen für Inspektionen, die Erteilung der Kennzeichnung und die Bauartzulassung von Verpackungen, Großpackmitteln (IBC), Großverpackungen und Bergungsverpackungen nach Unterabschnitt 4.1.1.3, Absatz 4.1.1.19.3 Buchstabe c Satz 2 und Buchstabe d, Unterabschnitt 6.1.1.2, Abschnitt 6.1.3, 6.1.5, Unterabschnitt 6.3.1.1, 6.3.2.7, Absatz 6.5.1.1.2, 6.5.1.1.3, 6.5.1.6.4, 6.5.1.6.6, 6.5.1.5.7, Abschnitt 6.5.2 und 6.5.4 sowie für die Zulassung der Reparatur flexibler IBC im Sinne des Abschnitts 1.2.1.

In Nr. 15 des gleichen Absatzes wird der BAM die Zuständigkeit für die Fertigungsüberwachung von Gefahrgutver-packungen und in Nr. 21 sicherheitshalber die Zuständigkeit – mit gewissen dort genannten Ausnahmen – für

die Fälle, in denen nach Kapitel … 4.1 …bestimmte Aufgaben einer zuständigen Behörde zugewiesen sind und für die keine Bestimmung nach §6 dieser Verordnung erfolgt ist.

In der GGVSee ist die Zuständigkeit der BAM in ähnlicher Weise erfolgt, wobei die Zuständigkeit unter einzelnen Aspekten sogar weiter reicht.

Damit ist auf der Grundlage von Gesetz und Verordnung eindeutig geregelt, dass in Deutschland die BAM für die Bauartprüfung, Zulassung, Kennzeichnung, Fertigungsüberwachung sowie gewisse Verwendungsfragen von Gefahrgutverpackungen zuständig ist. Das kann in anderen Ländern anders geregelt sein, wo sich das jeweilige Ministerium ggf. mehr Zuständigkeiten direkt vorbehält. Das kann aber kein Anlass sein, BAM-Zertifikate in solchen Ländern in Frage zu stellen, weil es nicht vom deutschen Ministerium ausgestellt wurde.

2. Zulässige Verwendung

Dies lässt sich am besten an einem Beispiel verdeutlichen:

In Kapitel 3.2 des ADR/RID/IMDG-Codes ist dem Eintrag UN 2902 PESTIZID, FLÜSSIG, GIFTIG, N.A.G. die Verpackungsanweisung P001 zugeordnet. In Kapitel 4.1 ist in P001 geregelt, dass u.a. Fässer und Kanister aus Kunststoff mit der Codierung 1H1 bzw. 3H1 zur Verwendung zugelassen sind, wenn sie die allgemeinen Vorschriften der Abschnitte 4.1.1 und 4.1.3 erfüllen. In 4.1.1.3 ist speziell geregelt, dass, sofern im ADR/RID nichts anderes vorgeschrieben ist, jede Verpackung, einschließlich Großpackmittel (IBC) und Großverpackungen, ausgenommen Innenverpackungen, einer Bauart entsprechen muss, die, je nach Fall, in Übereinstimmung mit den Vorschriften des Abschnitts 6.1.5, 6.3.2, 6.5,4 bzw. 6.6.5 erfolgreich geprüft wurden.

Unterstellt man, dass der Verpacker oder Absender alle sonstigen Vorschriften einhält, hängt die zulässige Verwendung nur davon ab, ob die Verpackung in Übereinstimmung mit 6.1.5 erfolgreich geprüft wurde.

3. Bauartprüfung

Die Vorschriften von Abschnitt 6.1.5 beginnen mit folgender wichtigen Festlegung:

Die Bauart jeder Verpackung muss den in Abschnitt 6.1.5 vorgesehenen Prüfungen nach den der zuständigen Behörde festgelegten Verfahren unterzogen und von dieser Behörde zugelassen werden.

Die für Deutschland zuständige Behörde BAM stellt fest, dass dies auch für zugelassene Kunststoffverpackungen, deren Werkstoff koextrudiertes PE/PA bzw. PE/EVOH ist, uneingeschränkt gilt oder zu erfolgen hat.

In Absatz 6.1.5.2.5 des ADR/RID wird speziell geregelt, dass

Fässer und Kanister aus Kunststoff nach 6.1.4.8 und, soweit notwendig, Kombinationsverpackungen (Kunststoff) nach Unterabschnitt 6.1.4.19 zum Nachweis der ausreichenden chemischen Verträglichkeit gegenüber flüssigen Stoffen während sechs Monaten einer Lagerung bei Raumtemperatur unterzogen werden müssen; während dieser Zeit müssen die Prüfmuster mit den Gütern gefüllt bleiben, für deren Beförderung sie vorgesehen sind.

Diese Anforderung wurde aus Praktikabilitätsgründen im o.g. Wortsinn nicht erfüllt. Die BAM hat aber alternativ von der Ermächtigung des letzten Unterabsatzes von 6.1.5.2.5 Gebrauch gemacht, die folgendermaßen lautet:

Falls das Verhalten des Kunststoffes durch andere Verfahren nachgewiesen wurde, kann auf die vorgenannte Verträglichkeitsprüfung verzichtet werden. Solche Verfahren müssen der vorgenannten Verträglichkeitsprüfung mindestens gleichwertig und von der zuständigen Behörde anerkannt sein.

Die BAM erhebt den Anspruch, dass diese Anforderung mit der ausgestellten Zulassung in vollem Umfang erfüllt ist. Der in 6.1.5.2.6 geregelte chemische Verträglichkeitsnachweis mit der zugehörigen Assimilierung in 4.1.1.19 ist nicht anwendbar, weil die betreffenden zugelassenen Bauarten zum einen nicht nur aus hoch- oder mittelmolekularem PEHD (der Werkstoff ist koextrudiertes PE/PA bzw. PE/EVOH), zum anderen die vorgesehenen Füllgüter zum Teil stärker schädigend als die etablierten Standardflüssigkeiten sind. Die Prinzipien (verkürzte Prüfzeit bei höherer Prüftemperatur und Prüfflüssigkeit als Repräsentant für die Schädigungsmechanismen) dieses speziellen Verträglichkeitsnachweises für hoch- oder mittelmolekulares PEHD wurden aber für die Gleichwertigkeitsbeurteilung der BAM herangezogen. Vom Antragsteller wurden spezielle Modellflüssigkeiten als Prüfflüssigkeit entwickelt, die bezüglich ihrer Schädigungswirkung nach Vorlagerung in den Prüfmustern die real beförderten Zubereitungen von Schädlingsbekämpfungsmitteln abdecken. Vom Antragsteller wurde der BAM durch ausführliche Untersuchungen schlüssig dargelegt, dass eine verkürzte Vorlagerung bei erhöhter Prüftemperatur mindestens die gleiche Vorschädigung ergibt wie eine sechsmonatige Vorlagerung bei Raumtemperatur. Es wurde z.B. belegt, dass die Erweichung durch Quellung der Prüfmuster nach der Vorlagerungszeit sich im Sättigungsbereich der Quellung befindet und eine weitere Vorlagerung keine höhere Anquellung ergeben würde. Damit ist auch die ausreichende Voraussetzung geschaffen, dass sich Spannungsrisse durch Einwirkung der Prüfflüssigkeit bilden können. Die Prüfmuster der beantragten Baumuster wurden in Analogie zu den Standardflüssigkeiten nach Vorlagerung mit den definierten Modellflüssigkeiten der Bauartprüfung unterzogen. Nach erfolgreicher Durchführung dieser Bauartprüfung konnten die Bauarten als Gefahrgutverpackungen mit UN-Codierung zugelassen werden.

In der Zulassung musste im Hinblick auf die konkrete Verwendung festgelegt werden, wie nachzuweisen ist, dass die real zu befördernde Zubereitung eines Schädlingsbekämpfungsmittels den Kunststoff höchstens gleich schädigt wie die geprüfte Modellflüssigkeit. Die etablierten Labormethoden (siehe Anhang zum Kapitel 6.1 des RID) für reines PEHD waren dazu ungeeignet. Der Antragsteller stellte ein neues Verfahren für koextrudiertes PE/PA bzw. PE/EVOH, in dem der BAM schlüssig belegt wurde, dass damit für jeden Stoff nachgewiesen werden kann, ob dieser Stoff weniger schädigend wirkt als die geprüfte Modellflüssigkeit. Es stellte sich beispielsweise heraus, dass koextrudiertes PE/PA wenig spannungrissempfindlich ist, wobei gleichzeitig mit reinen PEHD-Prüfkörpern nachgewiesen wurde, dass die neue Labormethode prinzipiell sensitiv auf diese Schädigung ist. Es wurde auch deutlich, dass polare saure Medien für Kunststoffverpackungen aus koextrudiertem PE/PA bzw. PE/EVOH ungeeignet sind. Die Prüfkörper wurden z.B. mit Salpetersäure nach 3 Tagen zerstört.

Diese neue Labormethode ist in den von BAM erteilten Zulassungen verpflichtend in Bezug genommen worden.

4. Verwendung deutscher Zulassungen im Ausland

In 4.1.1.16 des ADR/RID wird geregelt, dass

Verpackungen, einschließlich Großpackmittel (IBC) und Großverpackungen, die nach Abschnitt 6.1.3, Unterabschnitt 6.2.5.8, Unterabschnitt 6.2.5.9, Abschnitt 6.3.1, 6.5.2 oder 6.6.3 gekennzeichnet, aber in einem Staat zugelassen sind, der keine Vertragspartei des ADR/kein COTIF-Mitgliedstaat ist, auch für Beförderungen unter den Bedingungen des ADR/RID verwendet werden dürfen.

Für die grenzüberschreitende Beförderung von Verpackungen, die innerhalb des ADR/RID zugelassen wurden, muss das nicht gesondert geregelt werden, da dies der ureigene Zweck des ADR/RID ist. In Richtlinie 94/55/EG wird festgelegt, dass das ADR, in der Richtlinie 96/49/EG wird festgelegt, dass das RID auch zur innerstaatlichen bzw. innergemeinschaftlichen Beförderung anzuwenden ist. In Deutschland ist dies durch die entsprechenden Bestimmungen der GGVSE umgesetzt worden.

Zwar ergibt sich aus einer Zulassung prinzipiell nicht zwingend die zulässige Verwendung einer Gefahrgutverpackung. Mit ihren Zulassungen auf der Grundlage eingereichter Prüfberichte hat die BAM dafür gesorgt, dass aber alle Anforderungen des ADR/RID für die Verwendung von Kunststoffverpackungen, gefertigt aus koextrudiertem PE/PA bzw. PE/EVOH, für Zubereitungen von Schädlingsbekämpfungsmitteln erfüllt sind, für die der Nachweis mit Hilfe der in der Zulassung festgelegten Labormethode erbracht ist, dass sie den verwendeten Kunststoff höchstens gleich schädigen wie die bauartgeprüfte Modellflüssigkeit. Damit ist dafür gemäß den o.g. Vorschriften eine ungehinderte Beförderung im Bereich der EU möglich.


Keine Einfuhrerlaubnis in Brasilien: Forderung nach einem PACKING CERTIFICATE ausgestellt von einer akkreditierten Behörde laut ILAC-Liste


Problemstellung:

Der Zoll bemängelt die Unvollständigkeit der Versandpapiere. Insbesondere wird ein "PACKING CERTIFICATE" ausgestellt von einer akkreditierten Stelle laut ILAC-Liste benötigt. Es handelt sich um Gebinde mit Fluorwasserstoffsäure, 50%, in Verpackungen der UN-Kennzeichnung 1H1/X/250/Jahr/D-BAM 0000-xyz.

Laut brasilianischem Zoll wird gefordert (Auszug E-mail):

This requirement comes from our Army authorities and the suppliers shall be aware of it from 2008. The procedure below shall be followed to be valid: Standard (this is a regulamentation of a brazilian law):

Defense Ministery - Brazilian Army - Logític Dept - D Log 2000. Portaria nr: 13 - D Log - 19/julho/2006.

Packing Certificate: It is required a specific certificate for each shipment and its lots. This specific certificate has to be issued by the Recognized Institutes of the ILAC list (please find the list attached). PACKING CERTIFICATE: Packing Certificate issued by DAP, DACH, DKD/PTB or DATech in Germany These organizations are recognized by Inmetro (a responsible Brazilian authorized organization). The one we received from Germany is by XXXX GmbH, which is not recognized by Inmetro, and it is old, unfortunately.

Antwort:

Der Transport gefährlicher Güter in den entsprechend zugelassen Verpackungen wird durch europäische und internationale Gesetzgebung und Verträge geregelt. Daher ist es Stellen, (solchen wie Prüfstellen oder Produktzertifizierungsstellen) die von den privaten Akkreditierungsstellen wie DAP, DACH oder DATech akkreditiert wurden, verboten, Anerkennungen bzw. Zulassungen in diesem Bereich zu erteilen.

Da anzunehmen ist, dass die Sendung über den Seeweg erfolgte, gilt der IMDG Code, der völkerrechtlich verbindlich auf der Basis der SOLAS Convention den internationalen Gefahrguttransport für den Seeweg regelt.

Das MSC.1/Circ.1232 vom 7. Februar 2007 enthält die "Contact information for the designated national competent authority" und ist das Nachfolgedokument des im IMDG Code zitierten MSC.1/Circ.1201.

In den Circulars ist unter Germany die BAM ausdrücklich als nationale zuständige Behörde für „Packing“ und „Testing“ genannt, sogar, dass die zugelassenen Verpackungen mit D/BAM zu kennzeichnen sind. Für Zulassungen der BAM sind daher auch nur jene Prüfstellen zu berücksichtigen, die von der BAM anerkannt wurden.

Demnach würde Brasilien internationale Verträge verletzen und unzulässige Handelsbarrieren errichten, wenn die Zulassungen der BAM nicht – zumindest bis zum Bestimmungsort der Beförderung in Brasilien - anerkannt werden.

Anmerkung: Diese Stellungnahme wurde über den Deutschen Akkreditierungrat (DAR) an den Kunden gesandt, damit dieser sie an die nationalen brasilianischen Behörden (insbesondere den Zoll) weiterleiten kann.


3. Verpackungsvorschriften


Stellungnahme der BAM zur Freistellung in Zusammenhang mit ungereinigten leeren Verpackungen nach Unterabschnitt 1.1.3.5 ADR

Stellungnahme der BAM zur Freistellung von ungereinigten leeren Verpackungen


Deformierung von Kunststofffässern wegen Druckunterschied durch Warmabfüllung

Problemstellung:

Gefahrgutkontrolle von deformierten Kunststofffässern:
10 Fässer der Klasse 8, VG III, UN 2672 - Ammoniaklösung -
Verpackungscode für das Kunststofffass: 1H1/1x1.3/250

Die neuen Fässer aus Kunststoff wurden in so genannten Ladeeinheiten zu jeweils 2 Fässern auf einer Palette zusammengestellt und mit Spannbändern sowie einer hochgestellten Europalette in Fahrtrichtung zusammengebunden.

Die Fässer zeigten erhebliche Deformationen (Dellen) am Fassmantel, die jedoch nicht durch eine Krafteinwirkung von außen oder durch die verwendeten Spannbänder verursacht wurden. Es zeigte sich eher, dass ein stärkeres Vakuum im Fass bestand, wodurch sich der Fasskörper zusammenzog. Die Dellen am Fasskörper waren teilweise so stark, dass der Fassmantel bis zu ca. 10 cm reingezogen wurde.

Diese Feststellungen erschienen zu Beginn der Kontrolle doch erheblich und die Weiterfahrt wurde untersagt. Kurze Zeit später nahm man telefonisch mit dem Verpacker/Befüller Kontakt auf und erklärte ihm die Feststellungen. Ein Gefahrgutbeauftragter der Fa. gab dann an, der Stoff UN 2672 (flüssig) würde in einem erwärmten Zustand in das Fass eingebracht und im Nachgang sofort verschlossen. Aufgrund von Temperaturunterschieden sowie der Abkühlung des Gefahrstoffs im Fassinneren käme es dann zu den Deformationen am Fassmantel. Man habe aufgrund dieser Umstände Fässer aus Kunststoff verwendet, um dem Material entsprechende Möglichkeit zugeben, in dem Fass "arbeiten" zu können.

Die Frage ist nun, ob die festgestellten Deformationen an den Fassmänteln unter Berücksichtigung des verwendeten Fasstyps noch toleriert werden müssen oder aber ein Verstoß gegen die ADR-Vorschriften vorliegen könnte.

Antwort:

Die geschilderte Praxis, dass Gefahrgüter warm abgefüllt und die betreffenden Verpackungen sofort verschlossen werden, so dass sich die Verpackungen durch den auftretenden Unterdruck bleibend verformen, ist der BAM bekannt. Wir sind mit den Verbänden in Diskussion, wie dieser Tatbestand regelkonform abgedeckt werden könnte, weil der betreffende Unterabschnitt 4.1.1.8 für Lüftungseinrichtungen bisher nur den Fall des inneren Überdrucks und damit die Entlüftung und nicht die Belüftung einer Verpackung regelt.

Würde man Bildmaterial über solcherart deformierte Fässer an die BAM senden, wäre das unter Umständen für das Voranbringen der Diskussion förderlich.

Ob ein Verstoß gegen das ADR vorliegt, richtet sich in erster Linie danach ob die betreffenden Fässer noch die Bauartprüfungen bestehen könnten. So findet sich in 4.1.1.9 die Vorschrift für den Verwender, dass

(...)jede Verpackung, die Anzeichen verminderter Widerstandsfähigkeit gegenüber der zugelassenen Bauart aufweist, nicht mehr verwendet werden darf“.

Wie groß die Deformationen sein müssen, um eine solche verminderter Widerstandsfähigkeit auszulösen, ist generell unklar sowie individuell – je nach Bauart – verschieden.

Anhaltspunkte dafür können in unserem Internetauftritt finden. Der „Leitfaden zur Beurteilung mängelbehafteter Versandstücke im Luftverkehr“ (siehe unter Fachthemen) kann auch auf die Verhältnisse im Straßenverkehr übertragen werden. Für Kunststofffässer gibt es 2 Bild-Beispiele, die als „einfache Mängel“ eingestuft sind. Allerdings sind diese Beispiele Fässer für die Beförderung fester Stoffe.

Fässer für die Beförderung flüssiger Stoffe, wie im genannten Fall, sind ggf. etwas kritischer zu betrachten, zumal im Unterschied zum Luftverkehr eine Überstapelung im Landverkehr durchaus üblich ist. Aus unserer Sicht wird vorrangig die Stapelfestigkeit der Verpackungen bei den geschilderten Verformungen beeinträchtigt. Daraus würde sich ein anderer Tatbestand ergeben: Nach 4.1.1.1 müssen die gefährlichen Güter in Verpackungen „guter Qualität“ verpackt sein, dass

unter normalen Beförderungsbedingungen das Austreten des Inhalts aus der versandfertigen Verpackung, insbesondere infolge Vibration, Temperaturwechsel, Feuchtigkeits- oder Druckänderung (…) vermieden wird.

Aus der Anfrage geht hervor, dass der Absender die Verformungen der Fässer wegen der Temperatur- und Druckänderung einkalkuliert.

In diesem Falle würden wir es z.B. für grob fahrlässig halten, wenn die Fässer mit direkter Krafteinleitung bei der Beförderung überstapelt würden, ohne dass der Absender im Vorfeld Untersuchungen an solch vorgeschädigten Verpackungen veranlasst hat, in denen nachgewiesen ist, dass deren Widerstandsfähigkeit im oben genannten Sinne nicht vermindert ist.

Im Einzelfall könnte sich die Bewertung dann noch verschärfen, wenn sich herausstellen würde, dass der gefährliche Stoff bei einer Temperatur von mehr als 40 °C abgefüllt wurde, weil die Stapeldruckprüfung nur eine Temperatur von maximal 40 °C abdeckt und Kunststoffe bekanntermaßen mit steigender Temperatur weicher werden. Dann lägen ggf. generell Verhältnisse vor, die durch die Bauartprüfungen nicht abgedeckt sind.

Dichtheitsprüfung von IBC

Problemstellung:

Nach ADR 6.5.4.4.2 können wir nicht eindeutig erkennen, ob in unserem Fall Kombinations-IBCs, die mit flüssigen Gefahrgutstoffen ohne Druck befüllt und entleert werden, bei der Inspektion nach ADR 6.5.4.4.1 nach spätestens zweieinhalb Jahren einer Dichtheitsprüfung nach ADR 6.5.6.7.3 unterzogen werden müssen.

Der Punkt 6.5.4.4.2 ist unserer Meinung nach nicht eindeutig formuliert.

Wir wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie uns diesen Abschnitt kurz schriftlich erläutern würden.


Antwort:

Die deutsche Formulierung in 6.5.4.4.2

Alle metallenen IBC, alle starren Kunststoff-IBC und alle Kombinations-IBC für flüssige Stoffe oder für feste Stoffe, die unter Druck eingefüllt oder entleert werden, müssen einer geeigneten Dichtheitsprüfung unterzogen werden und in der Lage sein, das in Absatz 6.5.6.7.3 angegebene Prüfniveau zu erreichen: (…).

hat schon öfter bei spitzfindigen Rechtsauslegern zu falschen Schlussfolgerungen geführt. Wenn man den englischen Originaltext liest, ist klar, was gefordert ist und was im Übrigen auch sicherheitstechnisch einzig sinnvoll ist:

Every metal, rigid plastics and composite IBC for liquids, or for solids which are filled or discharged under pressure, shall undergo a suitable leakproofness test and be capable of meeting the test level indicated in 6.5.6.7.3.

Das Komma vor dem "or" macht klar, dass sich der folgende Relativsatz nur auf die IBC für feste Stoffe bezieht.

Demgemäß sind alle genannten IBC für flüssige Stoffe – unabhängig davon ob sie unter Druck befüllt oder entleert werden – der Dichtheitsprüfung zu unterziehen.

Dies wurde auf Veranlassung der BAM in der RSE vom 29. Januar 2007 klar gestellt. Dort heißt es unter 6-3 wie folgt:

Die erforderliche geeignete Dichtheitsprüfung bezieht sich auf:

alle metallenen IBC
alle starren Kunststoff-IBC
alle Kombinations-IBC für flüssige Stoffe und
alle Kombinations-IBC für feste Stoffe, die unter Druck eingefüllt und entleert werden.

Leider trifft dieser Wortlaut die Sachlage auch nicht voll, da z.B. metallene IBC für feste Stoffe der UN-Codierung 11A – die also nicht unter Druck befüllt und entleert werden – keine Dichtheitsprüfung machen müssen. Immerhin wird für einen Großteil der auf dem Markt befindlichen IBC das, was der Gesetzgeber wollte und was sicherheitstechnisch erforderlich ist, klar gestellt.


Darf man Gefahrstoff UN 3077 in kleinen Säcken in einen BIG-BAG verpacken?


Problemstellung:

Der Stoff UN 3077 Kl.9, VG III wird mit BIG-BAG mit Zulassungsnummer: UN 13H2/Z/XXXXXX befördert. Es scheint so das diese Zulassungsnummer zu losem Inhalt gedacht ist. Ist es zugelassen, diesen Gefahrstoff (UN 3077) in kleinen Säcke in den BIG-BAG zu verpacken?

Antwort:

Der englische Begriff IBC (= Intermediate Bulk Container) besagt schon, dass ein IBC nur für "Bulk", also festes oder flüssiges Schüttgut, und nicht für Gegenstände oder Innenverpackungen vorgesehen ist. Dies wird auch durch die Begriffsbestimmung "Großverpackung" in Kapitel 1.2 des ADR deutlich:

Eine aus einer Außenverpackung bestehende Verpackung, die Gegenstände oder Innenverpackungen enthält,(…).

Ihre Säcke sind in diesem Zusammenhang eindeutig Innenverpackungen, die ggf. in Großverpackungen, aber nicht in IBC, befördert werden dürfen.

UN 3077 darf auch in Großverpackungen gemäß Verpackungsanweisung LP02 befördert werden. Dort finden Sie, dass man auch Großverpackungen mit einer flexiblen Außenverpackung aus Kunststoff (51H) verwenden kann; aber nur dann, wenn man flexible Innenverpackungen mit je maximal 50 kg verwendet. Es steht Ihnen frei, Ihren flexiblen IBC als entsprechende Großverpackung zu ertüchtigen und z.B. bei uns zuzulassen.

Wenn die Säcke selber schon zugelassen (mit entsprechender UN-Codierung) wären, könnte Ihr zugelassener flexibler IBC ohne Hinderungsgrund als Umverpackung dienen. Sie müssten ihn dann zusätzlich mit "OVERPACK" kennzeichnen.

Behältnis für Peroxyessigsäure bis 15,2 %, UN 3109, Klasse: 5.2

Problemstellung:

Aus dem ADR geht nicht hervor, welche UN-Zulassung ein Behältnis (1 Liter, 5 Liter, 10 Liter) für Peroxyessigsäure bis 15,2% (UN 3109, Klasse 5.2) haben muß. Oder muß der Behälter keine Zulassung haben, reicht vielleicht eine 4 G Verpackung und ein Kunstoffbehälter mit einer UN-Zulassung X1.4 aus? Was bedeutet die Verpackungsmethode OP8 für das angefrage Produkt?

Antwort:

Gemäß der Klassifizierung (UN 3109) handelt es sich bei Ihrer Peroxyessigsäure um eine Flüssigkeit. Die dafür vorgesehene Verpackungsanweisung ist die P520.

Schon im zweiten Satz dieser Verpackungsanweisung wird klar ausgedrückt, dass die folgenden Verpackungen zugelassen sind, wenn

(...) die allgemeinen Vorschriften der Abschnitte 4.1.1 und 4.1.3 und die besonderen Vorschriften des Unterabschnitts 4.1.7.1 erfüllt sind.

Zu 4.1.1. gehört unzweifelhaft Unterabschnitt 4.1.1.3:

Sofern im ADR/RID nichts anderes vorgeschrieben ist, muss jede Verpackung, einschließlich Großpackmittel (IBC) und Großverpackungen, ausgenommen Innenverpackungen, einer Bauart entsprechen, die, je nach Fall, in Übereinstimmung mit den Vorschriften des Abschnitts 6.1.5, 6.3.2, 6.5.4 oder 6.6.5 erfolgreich geprüft wurde. Verpackungen, welche die Prüfungen nicht bestehen müssen, sind in Unterabschnitt 6.1.1.3 aufgeführt.

In Zusammenhang mit weiteren Vorschriften von 4.1.1 und 4.1.3 sowie der P520 (siehe dort die UN-Codierungen 4A, 4B, 4C1 u.s.w.) ist damit klar, dass nur für Flüssigkeiten bauartgeprüfte, zugelassene UN-gekennzeichnete Einzelverpackungen, Außenverpackungen bzw. Kombinationsverpackungen verwendet werden dürfen.

In 4.1.7.1 ist ferner folgendes geregelt:

4.1.7.1.1 Verpackungen für organische Peroxide und selbstzersetzliche Stoffe müssen den Vorschriften des Kapitels 6.1 oder 6.6 für die Verpackungsgruppe II entsprechen. Um eine übermäßige Verdämmung zu verhindern, dürfen Verpackungen aus Metall, die die Prüfkriterien der Verpackungsgruppe I erfüllen, nicht verwendet werden.

Gemäß dem Verzeichnis in 2.2.52.4 ist die Peroxyessigsäure Typ F, stabilisiert der UN 3109 der OP 8 zugeordnet. Damit dürfen Einzelverpackungen mit maximal 225 Litern pro Versandstück verwendet werden.

Da Kisten aus Pappe der UN-Codierung 4G als Einzelverpackungen für Flüssigkeiten schwerlich denkbar sind, da sie die Bauartprüfungen mit flüssigem Inhalt nicht bestehen, kommen sie nur als Außenverpackung einer zusammengesetzten Verpackung in Frage. Folglich darf eine solche zugelassene Außenverpackung maximal 400 kg Nettomasse pro Versandstück enthalten, wobei nach Buchstabe b die Innenverpackungen aus Kunststoff maximal je 25 kg netto enthalten dürfen. (Eine Innenverpackung aus Pappe scheidet für Flüssigkeiten aus; siehe auch zusätzliche Vorschriften 2 und 3. sowie 4.1.1.8 für Lüftungseinrichtungen.)

Einzelverpackungen aus Kunststoff müssen nach 6.1.5.2.5 den chemischen Verträglichkeitsnachweis bei der Bauartprüfung geführt haben. Bitte beachten Sie dabei 6.1.5.2.6 vorletzter Absatz die speziellen Vorgaben für Peroxyessigsäuren.

Fässer und IBC mit Überdruck

Problemstellung:

An welcher Stelle des ADR ist geregelt, dass Fässer bzw. IBC´s mit Überdruck (kein Partialdruck des Produktes) versendet bzw. nicht versendet werden dürfen?

Antwort der BAM:

Es ist nicht verboten, dass Verpackungen oder IBC mit einem gewissen Fremdgasüberdruck befördert werden (siehe z.B. auch PR1 oder IBC zur Befüllung oder Entleerung unter Druck - das gehört zur Beförderung).

Eine solcher Überdruck wird durch 2 Bestimmungen eingegrenzt:

– der Gesamtüberdruck bei 55 °C darf 2/3 der hydraulischen Innendruckprüfung der jeweiligen Bauart nicht überschreiten (siehe unsere Zulassungen)
– nach 1.1.3.2 c) sind Gase der Gruppen A und O unter 200 kPa bei 15 °C freigestellt. Im Umkehrschluss wäre Luft oder Inertgas mit mehr 200 kPA ein Stoff der Klasse 2 und damit zur Beförderung in UN-codierten Verpackungen nicht erlaubt.


Füllungsgrad von Verpackungen

Problemstellung:

Wie bestimmt man den zulässigen Befüllungsgrad nach ADR?

Antwort der BAM:

Der Vorschriftentext (4.1.1.4 des ADR/RID/IMDG-Code) für den Füllungsgrad von Verpackungen bezieht sich ausschließlich auf deren Fassungsraum. Dieser Begriff ist selbsterklärend: das Volumen, das eine Verpackung aus physikalischen Gründen maximal fassen kann.

Fassungsraum spielt auch bei der Bauartprüfung in den Kapiteln 6.1, 6.3, 6.5 und 6.6 eine Rolle. Die Verpackungen und IBC (außer bei Säcken und flexiblen IBC) müssen vor den Bauartprüfungen zu mindestens 98% bei flüssigen Stoffen und zu mindestens 95% bei festen Stoffen ihres Fassungsraumes gefüllt sein. Deshalb müssen zur Erfüllung dieser Anforderung die Prüfstellen die Prüfmuster auslitern, so dass wir diesen gemessenen Fassungsraum auch in die Zulassung als überprüfbares Merkmal der Verpackungsbauart übernehmen. (Nur bei speziell geformten Kanistern, z.B. mit einem hohlen Griff, akzeptieren wir das Überlaufvolumen.)

Bei Kisten, die nur als Außenverpackung einer zusammengesetzten Verpackung fungieren, akzeptieren wir als Maß das rechnerische Volumen der lichten Innenabmessungen, da es bei Anwesenheit von Einbauten, Polster- und Absorptionsmaterial nicht wirklich sinnvoll ist, den „Fassungsraum“ zu wissen. (Werden hier aber Innenverpackungen für flüssige Stoffe in die Außenverpackung eingesetzt, gilt dafür die Füllgradvorschrift, so dass man den Fassungsraum dieser Innenverpackungen kennen muss.)

In den Begriffsbestimmungen des Kapitels 1.2 findet man den Begriff „nominaler Fassungsraum (Nenninhalt) des Gefäßes“: das Nennvolumen in Liter des im Gefäß enthaltenen gefährlichen Stoffes. Wenn man die Vorschrift von 4.1.1.4 ernst nimmt, kann dies – außer für Gefäße zur Verwendung ein und desselben Stoffes – keine Gefäßkonstante sein, da der zulässige Füllgrad abhängig vom Siedepunkt der eingefüllten Flüssigkeit ist.

Pragmatisch bezeichnen die Verpackungshersteller in den meisten Fällen z.B. einen Kanister mit einem Fassungsraum von 22,5 Liter als 20-Liter-Kanister, weil dann die Vorgaben von 4.1.1.4 bezüglich des einzuhaltenden Füllungsgrades in allen Fällen abgedeckt werden. Es ist Ihnen als Verpacker aber nicht verwehrt, in einen „20-Liter-Kanister“ mehr als 20 Liter einzufüllen, wenn sie sicherheitstechnisch die Vorgaben von 4.1.1.4, z.B. für hoch siedende Flüssigkeiten, bezüglich des Fassungsraums einhalten.

Wann darf Ottokraftstoff/ Benzin in Kunststoff-IBC transportiert werden?

Problemstellung:

Wann darf Ottokraftstoff / Benzin in Kunststoff-IBC transportiert werden?

Antwort der BAM:

Soll Kraftstoff in einem IBC transportiert werden, spielt der Dampfdruck laut Vorschrift in 4.1.1.10 des RID/ADR die entscheidende Rolle:

Großpackmittel (IBC), die für die Beförderung flüssiger Stoffe bestimmt sind, dürfen nicht für die Beförderung flüssiger Stoffe verwendet werden, die einen Dampfdruck von mehr als 110 kPa (1,1 bar) bei 50 °C oder 130 kPa (1,3 bar) bei 55 °C haben.

In Sicherheitsdatenblättern für Kraftstoff-Gemische wird in der Regel nur der Dampfdruck bei 38 °C angegeben. Damit spitzt sich die Frage darauf zu, welchen Dampfdruck das zu transportierende Gemisch nach Umrechnung auf 50 °C hat.

Nehmen wir beispielsweise an, im Sicherheitsdatenblatt wird ein Dampfdruck von 55 bis 65 kPa bei 38 °C angegeben. Dann erhielte man nach Anwendung vereinfachter Gesetze der physikalischen Chemie ausgehend von 65 kPa bei 38 °C einen geschätzten Dampfdruck von ca. 105 kPa bei 50 °C. Damit dürfte dieser Stoff in entsprechenden IBC verwendet werden.

Wird aber gleichzeitig im Sicherheitsdatenblatt ein Siedepunktbereich von 40 bis 190 °C angegeben, kann nach dem Vorbild vergleichbarer Stoffe bei 50 °C auch ein Dampfdruck von 144 kPa erreicht werden - ein durchaus realer Wert, wenn man an die Dampfdruckangaben des "Winterbenzins" von Ottokraftstoffen denkt. Danach dürfte das betreffende Treibstoff-Gemisch nicht in IBC verwendet werden.

Über die Auflösung dieses Widerspruchs kann nur spekuliert werden. Möglicherweise sind einige Werte des Sicherheitsdatenblattes nicht real gemessen sondern abgeschätzt worden, oder der Anteil der Stoffe mit dem Siedepunkt 40 bis 47 °C im Gemisch ist so untergeordnet, dass sie für den realen Dampfdruck keine Rolle spielen. Gewissheit wird man nur aus einer konkreten Messung des Dampfdrucks bei 50 °C des Winterprodukts erhalten, weil "Benzine" für das notwendige Vergasungsverhalten im Winter bei tiefen Temperaturen z.B. beim Anlassen des Motors einen größeren Anteil niedrig siedender Komponenten enthalten als im Sommer.

Fazit: Es liegt in der Verantwortung des Transporteurs, im Zweifelsfall den Dampfdruck "seines" Krafstoffes zu messen bzw. messen zu lassen, bevor er den Kunststoff-IBC in der Praxis einsetzt.


Gibt es eine Verpackungsvorschrift wie und mit was die Gefahrgutkartons verschlossen werden müssen?

Fragestellung:

Gibt es eine Verpackungsvorschrift für Gefahrgutkartons (4G), die uns Auskunft darüber gibt, wie und mit was die Gefahrgutkartons verschlossen werden müssen? Alternativ geht es um die Vorschrift, wie er Kunde mit Filamentklebeband einen Karton verschließt. (Frage eines Zwischenhändlers)

Antwort:

Es gibt keine generelle Vorschrift über das Verschließen von Gefahrgutverpackungen und damit im Speziellen auch keine bei Kisten aus Pappe. Es gilt das Prinzip, dass die individuellen Verpackungen so zu verschließen sind, wie sie die Bauartprüfungen bestanden haben. Damit sind diese Angaben über die Art des Verschließens und z.B. über die Reißfestigkeit des ggf. zu verwendenden Klebebandes im Prüfbericht zur zugelassenen Bauart zu finden. Ggf. sind im Zulassungsschein weitere Angaben über die zulässigen Verschlussmittel zu finden.

In die gültigen Gefahrgutvorschriften ist in Ausfüllung dieses Prinzips folgende neue Vorschrift aufgenommen worden (siehe 6.1.1.5 des ADR):

Hersteller und nachfolgende Verteiler von Verpackungen müssen Informationen über die zu befolgenden Verfahren sowie eine Beschreibung der Arten und Abmessungen der Verschlüsse (einschließlich der erforderlichen Dichtungen) und aller anderen Bestandteile liefern, die notwendig sind, um sicherzustellen, dass die versandfertigen Versandstücke in der Lage sind, die anwendbaren Qualitätsprüfungen dieses Kapitels zu erfüllen.

Daraus folgt, dass sie sich als Zwischenhändler diese Informationen besorgen müssen. Der Hersteller ist dazu verpflichtet. Sie sind wiederum als "Verteiler" verpflichtet, diese Informationen an Ihre Kunden weiterzugeben.

Im Übrigen gilt dieses Prinzip auch für die zulässigen Innenverpackungen: Die Kiste darf nur mit den geprüften Innenverpackungen befüllt werden. Andere Innenverpackungen dürfen ohne weitere Prüfung nur dann verwendet werden, wenn die Bedingungen von 6.1.5.1.6 des ADR eingehalten sind. Diese Vorschriften können nur dann eingehalten werden, wenn Sie und Ihre Kunden wissen, mit welchen Innenverpackungen und mit welchem Inhalt (flüssig und/oder fest) die Bauartprüfungen bestanden worden sind. Damit müssen Sie auch diese Informationen einholen und weitergeben. Weitere Innenverpackungen als die in 6.1.5.1.6 genannten Fälle dürfen erst dann verwendet werden, wenn Sie sicherstellen, dass das Versandstück gleich sicher ist wie das geprüfte Baumuster. Dieser Nachweis kann im Allgemeinen durch eine Eckenfallprüfung des Versandstücks mit den "neuen" Innenverpackungen erfolgen.


Müssen Maßnahmen zur Vermeidung von Zündgefahren infolge elektrostatischer Aufladungen bei Kunststoffverpackungen getroffen werden?

Fragestellung:

Im Zulassungsschein BAM 0000 Aktenzeichen III. 12/00000 Verpackungstyp 3H1 (Kunststoffkanister) wird im Zulassungsschein darauf verwiesen, dass die Verpackung zur Verwendung von flüssigen Stoffen mit einem Flammpunkt =< 61 °C (u.a. Toluen) zugelassen ist.

Nach ADR 4.1.2.1 sind bei IBC bei solchen Stoffen Massnahmen gegen elektrostatischen Aufladungen zu treffen. Nach den "Richtlinien für die Vermeidung von Zündgefahren infolge elektrostatischer Aufladungen" (ehem. ZH1/200) Nr. 7.1.2.2.1 ist ein Befüllung in Behältern, die aufladbar sind (wie dieser Kanister), nur bis 2 L ohne weitere Schutzmassnahmen möglich. Also auch Gebinde, die keine IBC sind. Nicht leitfähige Gebinde wie Kunststoffgebinde lassen sich aber nicht erden.

Meine Fragen:

1. Im Zulassungsschein befindet sich kein Hinweis auf evtl. zu treffende Schutzmassnahmen, obwohl zur schnellen Aufladung neigende Stoffe wie Toluol (Leitfähigkeit < 10.000 pS/m) zugelassen sind - warum nicht?

2. Ist der Kunststoffkanister 3H1 BAM 0000 leitfähig bzw. antistatisch, da er schwarz eingefärbt ist (Ruß)?

3. Können solche sicherheitstechnische Prüfungnen (Prüfungen auf Ableitfähigkeit bzw. Hinweis auf Ersatzmassnahmen) zum Bestandteil von Zulassungen gemacht werden?

Wir beabsichtigen eine brennbare Flüssigkeit mit einem Flammpunkt von 26 °C in das Gebinde BAM 0000 einzufüllen.


Antwort der BAM:

Die Vorschriften für die Beförderung gefährlicher Güter, insbesondere die Prüfvorschriften für Verpackungen einschließlich IBC und Großverpackungen, sind weitgehend weltweit harmonisiert. Von der Natur solcher Vorschriften her können die verschiedenen nationalen Arbeitsschutzvorschriften, die sehr verschiedener Natur sein können, dort keinen Eingang finden.

Die von Ihnen zitierten Verwendungsanforderungen in 4.1.2.1 für IBC sind demgemäß nur allgemeiner Art. Es sind keine konkreten Prüfanforderungen. Solche konkreten Prüfanforderungen werden in Deutschland anderen Rechtsbereichen entnommen und in Verantwortung des IBC-Herstellers berücksichtigt.

Dieser Tatbestand ist aber in keiner Weise Basis für die verkehrsrechtliche Bauartzulassung oder Nichtzulassung durch die BAM. Dieser Grundsatz gilt in gleicher Weise für die klassischen Verpackungen, die es ja in beliebig kleiner Größe (z.B. Fassungsraum 100 ml) bis zu maximal 450 Liter Fassungraum gibt. Hier gibt es noch nicht einmal eine allgemeine Verwendungsanforderungen über die elektrostatische Entladung, weil man sich offensichtlich international nicht einigen konnte, ab welcher Größe der Verpackung das zu berücksichtigen wäre.

Die von Ihnen genannte Verpackung mit der ZLS-Nr. D/BAM 0000/3H1 ist vermutlich wegen ihrer schwarzen Farbe elektrisch leitfähig. Ich rate Ihnen, sich beim Hersteller der Verpackung Gewissheit darüber zu verschaffen.

Die Aussage bezüglich Toluen im Zulassungsschein bezieht sich ausschließlich auf das Bestehen der im ADR/RID zusätzlich geforderten Permeationsratenprüfung.

4. Kennzeichnung

Doppelkennzeichnung einer Verpackung für feste und flüssige Stoffe

Problemstellung:

Ist eine Verpackung sowohl für feste als auch für flüssige Stoffe zugelassen, können jeweils sehr unterschiedliche Bedingungen zur Füllung der Verpackung gelten.

Erklärung der BAM:

Wenn eine Verpackung der UN-Kennzeichnung für flüssige Stoffe entspricht, ist die jeweils zulässige Dichte beschränkt, auch wenn damit die zulässige Bruttomasse für Feststoffe noch lange nicht "ausgenutzt" ist.

Die UN-Kennzeichnung für feste Stoffe darf dafür nicht in Anspruch genommen werden, da man, wie sich aus den Prüfbedingungen ablesen lässt, immer unterstellt, dass eine Verpackung mit einer Flüssigkeit mit der zulässigen Dichte vollständig befüllt wird.

Für feste Stoffe gilt: Es gibt bei Verpackungen bezüglich der Verwendung keine Vorschriften über einzuhaltende Mindestfüllgrade, solange nicht die maximalen Füllgrade gemäß 4.1.1.4 bzw. die maximal zulässige Bruttomasse überschritten wird. Immerhin dürfen (und müssen) ja auch ungereinigte leere Verpackungen (Füllgrad etwa 0 %) befördern werden können.

Ergänzend behandeln wir auf dieser FAQ-Seite unter Probleme bei der Kassifizierung eines Stoffes "fest" bzw. "flüssig" weiter unten.

Ist die Kennzeichnung von Kunststoffflaschen als Innenverpackung im Seeverkehr erforderlich?

Problemstellung:

Ich habe eine Frage zu den Innenverpackungen (Verpackungscodes) im Seeverkehr bzgl. Gefahrgut! Wir versenden Kunststoffflaschen in bauartgeprüften Gefahrgutkartons. Leider kann ich aber im IMDG-Code keinen Vepackungscode für Kunststoffflaschen finden. Die Reedereien verlangen aber einen VP-Code für die Innenverpackung! Können Sie mir sagen, welchen Code ich hierfür angeben müßte?

Antwort:

Die Gefahrgutvorschriften enthalten keine entsprechenden Codes für Innenverpackungen. Da Innenverpackungen nicht zugelassen sein müssen und definitionsgemäß nur in zugelassenen Außenverpackungen (mit UN-Code) als zusammengesetzte Verpackung befördert werden dürfen, wäre ein entsprechender (unsichtbarer) Code nicht besonders sinnvoll. Wichtig für die Frage der zulässigen Beförderung ist die Art (z.B. Innenverpackung aus Kunststoff) und der Fassungsraum der Innenverpackungen. Daran entscheidet sich die zulässige Verwendung der Verpackung für das konkrete Gefahrgut gemäß der betreffenden Verpackungsanweisung.

Was ist der Unterschied zwischen der UN-Kennzeichnung und einer UN-Nummer?

1. UN-Kennzeichen

UN-Kennzeichen werden auf die Verpackungen aufgebracht.

Die Kennzeichnung auf der Verpackung gibt an, dass diese einer erfolgreich geprüften Bauart entspricht und diese die Vorschriften (...) erfüllt, soweit diese sich auf die Herstellung und nicht auf die Verwendung der Verpackung beziehen. Folglich sagt die Kennzeichnung nicht unbedingt aus, dass die Verpackung für irgendeinen Stoff verwendet werden darf (...).

Die Kennzeichnung ist dazu bestimmt, die Aufgaben der Verpackungshersteller, der Rekonditionierer, der Verpackungsverwender, der Beförderer und der Regelungsbehörden zu erleichtern.

Die Vorschriften und Bespiele für die Kennzeichnung finden sich in den Rechtsgrundlagen in diesen Kapiteln:

Landverkehr: ADR /RID Kapitel 6.1.3
Seeverkehr: IMDG-Code Kapitel 6.1.3
Luftverkehr: IATA: Part 6, Chapter 2 Marking of Packagings other than inner packagings

Die Kennzeichnung für ein Fass mit flüssigem Inhalt sähe z.B. so aus:

Die einzelnen Bestandteile des UN-Kennzeichens haben folgende Bedeutung:
un Symbol der Vereinten Nationen ("un" im Kreis)
1A1 Code für die Bezeichnung des Verpackungstyps
Y Y = Verpackungsgruppe II;
(Anmerkung: Gefahrgüter der Verpackungsgruppe III dürfen auch in einer Verpackung der Verpackungsgruppe II befördert werden, wenn diese Verpackung für das Gefahrgut zulässig ist.)
1.4 relative Dichte, für die das Baumuster geprüft worden ist
150 Prüfdruck in kPa (Kilopascal) der hydraulischen Innendruckprüfung
02 Jahr der Herstellung
D/ Zeichen des Staates, der die Zulassung erteilt hat
BAM Zulassende Behörde/Institution
4711 Zulassungsscheinnummer
XY Von der zuständigen (zulassenden) Behörde festgelegtes Identifizierungszeichen des Herstellers

2. UN-Nummern

UN-Nummern werden den Gefahrstoffen/Gefahrgütern zugeordnet. Diese Liste finden Sie z.B. in der Tabelle A, Kapitel 3.2 des ADR.

Jeder Eintragung in den verschiedenen Klassen ist eine UN-Nummer zugeordnet. Folgende Arten von Eintragungen werden verwendet:

Einzeleintragungen
für genau definierte Stoffe oder Gegenstände, einschließlich Eintragungen für Stoffe, die verschiedene Isomere abdecken, z.B.: UN 1090 ACETON
Gattungseintragungen
für genau definierte Gruppen von Stoffen oder Gegenständen, die nicht unter n.a.g. (nicht anders genannt)-Eintragungen fallen, z.B.: UN 1133 KLEBSTOFFE
Spezifische n.a.g.-Eintragungen,
die Gruppen von nicht anderweitig genannten Stoffen oder Gegenständen einer bestimmten chemischen oder technischen Beschaffenheit umfassen, z.B.: UN 1477 NITRATE, ANORGANISCH, N.A.G.
Allgemeine n.a.g.-Eintragungen,
die Gruppen von nicht anderweitig genannten Stoffen oder Gegenstände mit einer oder mehreren gefährlichen Eigenschaften umfassen, z.B.: UN 1325 ENTZÜNDBARER ORGANISCHER FESTER STOFF; N.A.G.


Lesbarkeit/Sichtbarkeit des UN-Kennzeichens

Problemstellung:

Die Fässer wurden nach einer ausländischen Zulassung im Ausland gefertigt und zum Verwender nach Deutschland geliefert. Die Fässer sind schwarz lackiert, die UN-Kennzeichnung wurde geprägt, setzt sich aber farblich nicht ab.

Antwort:

ADR 6.1.3.1

Jede Verpackung, die für eine Verwendung gemäß RID ADR vorgesehen ist, muss mit Kennzeichnungen versehen sein, die dauerhaft und lesbar und an einer Stelle in einem zur Verpackung verhältnismäßigen Format so angebracht sind, dass sie gut sichtbar sind. Bei Versandstücken mit einer Bruttomasse von mehr als 30 kg müssen die Kennzeichnungen oder ein Doppel davon auf der Oberseite oder auf einer Seite der Verpackung erscheinen. Die Buchstaben, Ziffern und Zeichen müssen mindestens 12 mm hoch sein, ausgenommen an Verpackungen mit einem Fassungsraum von höchstens 30 Litern oder 30 kg, bei denen die Höhe mindestens 6 mm betragen muss, und ausgenommen Verpackungen mit einem Fassungsraum von höchstens 5 Litern oder 5 kg, bei denen sie eine angemessene Größe aufweisen müssen.

Da es sich hierbei um eine ausländische Zulassung handelt, muss der Verwender sich auch an die ausländische Zulassungsstelle wenden um herauszufinden, ob er diese Verpackung verwenden darf.

Wäre dies eine Verpackung nach deutscher Zulassung gefertigt, könnte der Verwender (nach Absprache mit der BAM) ein Verfahren anwenden, um die UN-Kennzeichnung farblich hervorzuheben und somit lesbar und gut sichtbar zu gestalten.

Doppelte Vergabe eines Herstellerkurzzeichens

Problemstellung:

Eine Firma hat im Großhandel einen Kunststoffkanister eines Konkurenzunternehmens erstanden, der das gleiche Kurzzeichen trägt. Die weitere Kennzeichnung ergab jedoch, dass es sich hier um einen in Ungarn zugelassenen Kanister handelt. Bei dem Kurzzeichen handelt es sich nicht um einen eingetragenen Handelsnamen. Kann eine doppelte Vergabe des Herstellerkurzzeichens verhindert werden?

Antwort:

Nach dem ADR 6.1.3.1 besteht die Kennzeichnung u.a.

(…), g) aus dem Namen des Herstellers oder einer sonstigen von der zuständigen Behörde festgelegten Identifizierung der Verpackung.

Da es keine europa- oder gar weltweite Absprache der zuständigen Behörden über die abgestimmte Vergabe von Herstellerkurzzeichen gibt, kann eine doppelte Vergabe nicht verhindert werden.

Soll man den Gefahrzettel vor dem Befüllen anbringen?

Problemstellung:

Muß ein bauartzugelassener Entsorgungsbehälter (1H2; UN 3291), sobald er mit dem Gefahrenkennzeichen Klasse 6.2 "Ansteckungsgefährliche Stoffe" bedruckt ist, unabhängig mit welcher Risikoklasse dieser befüllt ist, immer als Sondermüll entsorgt werden? Der Hintergrund dieser Frage ist, ob es sinnvoll ist die Behälter ab Werk mit dem Gefahrenkennzeichen der Klasse 6.2 zu versehen oder ob es besser ist, den Anwender die Bezettelung vornehmen zu lassen.

Antwort:

Gemäß der Gefahrgutvorschriften ist es auf jeden Fall sinnvoller, den Gefahrzettel erst dann anzubringen, wenn Stoffe mit entsprechenden Gefahren in der Verpackung sind.

Der Gefahrzettel ist auch dann an der Verpackung zu belassen, wenn die Verpackung mit dem entsprechenden Gefahrgut befüllt war und nicht gereinigt ist ("ungereinigte leere Verpackung").

Im Umkehrschluss könnte man aus dem angebrachten Gefahrzettel der Klasse 6.2 schließen, dass in der Verpackung Inhalt mit diesem Gefahrenmerkmal war und somit die Verpackung sterilisiert - also gereinigt - oder als Sondermüll entsorgt werden müsste.

Ansonsten müsste, streng genommen, ein Gefahrzettel, der für die Situation nicht relevant ist, entfernt werden. Das wäre dann der Fall, wenn die Verpackung fabrikneu oder gereinigt ist.

Es ist allerdings durchaus Praxis,z. B. bei Säcken oder Kisten aus Pappe, dass solche fabrikneuen Verpackungen schon mit dem Gefahrzettel des vorgesehenen Füllguts bedruckt sind und in diesem Zustand an den Kunden ausgeliefert werden. Wenn man einen LKW voll mit solchen Verpackungen antrifft, ist bei Säcken und zusammengefalteten Pappkisten im Allgemeinen klar, dass dort kein Füllgut drin war oder ist. Diese Praxis ist allerdings nicht in den Gefahrgutvorschriften berücksichtigt, so dass, gerade bei anderen Verpackungstypen, sich für Aufsichts- und Kontrollbehörden relevante Fragestellungen ergeben, ob sich darin das gekennzeichnete Gefahrgut befindet oder befunden hat.

Internationaler Versand von mit menschlichen Blut kontaminierten Katheterreklamationen

Problemstellung:

Wir sind Medizinproduktehersteller und vertreiben weltweit Katheter unterschiedlicher Bauart. Momentan sind wir dabei, den Versand von kontaminierten Katheterreklamationen für unsere weltweit ansässigen Niederlassungen zu harmonisieren. Der Transport der Reklamationen erfolgt generell auf dem Luftweg in die USA.

Hierbei stellt sich uns die Frage nach der Einordnung dieser Katheterreklamationen. Fakt ist, dass die meisten Produktreklamationen im menschlichen Körper waren und somit mit menschlichen Blut kontaminiert sind. Handelt es sich hierbei nun um diagnostische Proben lt. BioStoffV? Wie sind die Sendungen zu kennzeichnen? Welche weiteren gefahrgutrechtlichen Bestimmungen sind hier zu beachten?

Antwort der BAM:

Zuständig für die Klassifizierung der Katheter ist das Robert-Koch-Institut in Berlin.

5. Typen von Gefahrgutverpackungen

Welche Typen von Gefahrgutverpackungen gibt es?

1. "Klassische" Verpackungen

Fassungsraum < 450 Liter bzw. Nettomasse < 400 Kg

Dazu gehören auch die "zusammengesetzten Verpackungen" und die Baureihen von Kisten aus Wellpappe" sowie die Verpackungen unter (4)

2. Großpackmittel (IBC)

Fassungsraum max. 3,0 m³

3. Großverpackungen (LP)

Außenverpackung, die Gegenstände oder Innenverpackungen enthält

Nettomasse ≥ 400 kg bei der Bauartprüfung oder Fassungsraum von mehr als 450 Liter, aber Höchstvolumen 3,0 m³

4. Verpackungen für Stoffe der Klasse 6.2 (ansteckungsgefährliche Stoffe)

Dazu gehören auch die "klassischen" Verpackungen

5. Verpackungen für Stoffe der Klasse 7 (radioaktive Stoffe)

6. Druckgefäße (Flaschen, Großflaschen, Druckfässer und Flaschenbündel)

7. Geschlossene Kyrogen-Behälter

Zusammengesetzte Verpackungen

Zusammengesetzte Verpackungen - ein Spezialfall

Man trifft öfter auf die Anschauung, dass beim Versand von Gefahrgut in der Form einer zusammengesetzten Verpackung nur darauf zu achten ist, dass die in der UN-Codierung angegebene Bruttomasse nicht überschritten wird; ansonsten könne man seine Innenverpackung einfach in die zugelassnne Außenverpackung, z.B. eine Kiste aus Wellpappe, verpacken. Dies ist, wie oben angedeutet bei weitem nicht so einfach. Jeder Polizist wird zugeben, dass er solche Kisten im Normalfall nicht öffnen wird, um die Einhaltung der Vorschriften für diesen Tatbestand zu überprüfen. Wird aber beim Transport Gefahrgut freigesetzt, werden gar Personen geschädigt, stellt sich die Frage nach dem "Schuldigen" auch auf der Grundlage dieser Anforderungen.

Vom Ursprung her ist vollkommen klar, dass nur die Innenverpackungen einschließlich Inhalt, mit denen die Bauartprüfung durchgeführt wurde, auch für die Verwendung zulässig sind. Dies ergibt sich z.B. aus dem Satz in 6.1.5.2.1, dass bei zusammengesetzten Verpackungen, deren Innenverpackungen für die Beförderung von flüssigen oder von festen Stoffen vorgesehen ist, getrennte Prüfungen für den flüssigen und für den festen Inhalt erforderlich sind. Bestehenskriterium bei der Fallprüfung ist außerdem, dass aus keiner der Innenverpackungen Füllgut austritt!

Dieses Prinzip, streng angewandt, würde allerdings zu sehr unpraktikablen Folgen führen. Aus diesem Grunde hat man in die Vorschriften eine Passage eingeführt, die die Verwendung von anderen Innenverpackungen unter bestimmten Bedingungen auch ohne Nachprüfung erlaubt.

4.1.1.5.1 Wenn die Außenverpackung einer zusammengesetzten Verpackung erfolgreich mit verschiedenen Typen von Innenverpackungen geprüft worden ist, dürfen auch verschiedene der letztgenannten in dieser Außenverpackung zusammengefasst werden. Außerdem sind, ohne dass das Versandstück anderen Prüfungen unterzogen werden muss, folgende Veränderungen bei den Innenverpackungen zugelassen, soweit ein gleichwertiges Leistungsniveau beibehalten wird:

a) Innenverpackungen mit gleichen oder kleineren Abmessungen dürfen verwendet werden, vorausgesetzt:
(i) die Innenverpackungen entsprechen der Gestaltung der geprüften Innenverpackungen (zum Beispiel: Form - rund, rechteckig, usw.);
(ii) der für die Innenverpackungen verwendete Werkstoff (Glas, Kunststoff, Metall, usw.) weist gegenüber Stoß- oder Stapelkräften eine gleiche oder größere Festigkeit auf als die ursprünglich geprüfte Innenverpackung;
(iii) die Innenverpackungen haben gleiche oder kleinere Öffnungen und der Verschluss ist ähnlich gestaltet (z.B. Schraubkappe, eingepasster Verschluss, usw.);
(iv) zusätzliches Polstermaterial wird in ausreichender Menge verwendet, um die leeren Zwischenräume aufzufüllen und um jede nennenswerte Bewegung der Innenverpackungen zu verhindern;
(v) die Innenverpackungen haben in der Außenverpackung die gleiche Ausrichtung wie im geprüften Versandstück.
b) Eine geringere Anzahl geprüfter Innenverpackungen oder anderer in Absatz a) beschriebenen Arten von Innenverpackungen dürfen verwendet werden, vorausgesetzt, eine ausreichende Polsterung zur Auffüllung des Zwischenraums (der Zwischenräume) und zur Verhinderung jeder nennenswerten Bewegung der Innenverpackungen wird vorgenommen.

Eines wird daraus bestimmt deutlich. Ein Verpacker oder Versender kann seiner Verantwortung auf der Grundlage dieser Vorschrift nur dann wirklich gerecht werden, wenn er genau weiß, mit welchen Innenverpackungen und mit welcher Innenausrüstung die Bauartprüfungen durchgeführt wurden. Sonst kann er den in der oben angeführten Vorschrift verlangten Vergleich gar nicht anstellen.

Zwei weitere Wege für den zu leistenden Nachweis stehen den Nutzern deutscher zugelassener Verpackungen offen. In BAM-Zulassungen für zusammengesetzte Verpackungen findet man häufig folgende Bedingung: "Bestandteil der zugelassenen Bauart werden auch Verpackungen mit anderen Innenverpackungen, wenn durch Prüfung nachgewiesen und dokumentiert wird, dass die zusammengesetzte Verpackung mit diesen Innenverpackungen die Prüfanforderungen der Rechtsvorschriften nach Ziffer 1 erfüllt".

Diese Bedingung kann ein Verwender beispielsweise dadurch erfüllen, dass er Prüfmuster mit seinen Innenverpackungen erfolgreich der Fallprüfung unterzieht. Es ist dabei zweckmäßig, sich einer von der BAM zugelassenen Prüfstelle zu bedienen, die ausreichend Sachkunde haben, solche Prüfungen durchzuführen. Eine größere Zahl von Herstellern von zugelassenen Kisten aus Pappe oder Holz sind auch gleichzeitig von der BAM anerkannte Bauartprüfstellen, die nach entsprechender Prüfung den Verwendern Kurzprüfberichte über den erfolgten Nachweis ausstellen können.

Einer weiterer Weg führt über die Bauartreihen (nächster Punkt).


Bauartreihen - Eine Zulassung für viele Verpackungen

Baureihen für Kisten aus Wellpappe

Passen die Innenverpackungen nicht in die existierende zugelassene Außenverpackung, gibt es noch einen weiteren Weg, ohne dass die BAM bemüht werden muss, wenn z.B. die Kiste Bestandteil einer Bauartreihe ist: Ausgehend von den Bestimmungen des Unterabschnitts 6.1.5.1.2 des RID/ADR wurde von der BAM in Zusammenarbeit mit den Herstellern von Kisten aus Wellpappe und Holz eine Bauartreihe für Kisten entwickelt, die sowohl den Interessen der Kistenhersteller aus auch den Sicherheitsansprüchen der Gefahrgutverordnung entspricht.

Unter der Vorgabe eines entsprechenden Zulassungsscheins können dabei Kisten für den Verwender maßgeschneidert werden, wenn dabei die kleinste und größte Baugröße bezüglich Bruttomasse und Volumen nicht unter- bzw. überschritten wird.

[GRAFIK]

Beispielhafte Darstellung eines Masse-Volumen-Diagramms

Da in der Regel die Bruttomassen der Prüfmuster nicht identisch sind und auch nicht auf eine fiktive (rechnerische) Dichte, die konstant ist, zurückgegriffen werden kann, wurde das Masse-Volumen-Diagramm als Grundlage zur Definition der Bauartreihe herangezogen.

Bei dem Masse-Volumen-Diagramm wird das Volumen und die Bruttomasse jeder einzelnen, geprüften Verpackung (mindestens zwei) abgebildet und die Punkte miteinander verbunden. Alle Kisten, deren Abbildung in diesem Diagramm auf oder unter der dargestellten Linie fallen (Punkt 1), können in der Regel die Bruttomassen der Prüfmuster (größte und kleinste Verpackung) Bauartreihe zugeordnet werden, sofern sie einer verkürzten Bauartprüfung standhalten.

Diese verkürzte Bauartprüfung besteht aus einer einzigen Fallprüfung. Die Fallprüfung ist so auszuführen, dass die größtmögliche Schädigung zu erwarten ist. Ist diese Position nicht eindeutig zu ermitteln, sind mehrere Fallprüfungen durchzuführen. Die Prüfung ist zu dokumentieren und der Prüfbericht bei der BAM einzureichen.

Diese erteilten Zulassungen für "Bauartreihen" sind die Grundlage eines unbürokratischen Verwendungsnachweises auf diesem komplexen Feld, wenn Verwender, Hersteller der Verpackung und anerkannte Prüfstelle ihrer Verantwortung gerecht werden.

Mehr dazu beschreibt die BAM-GGR 006 .

6. Beständigkeit, Lagerung, Verwendung

Haltbarkeit von PE-Behältern für Lagerung und Transport

Fragestellung:

1. Wie hoch ist die Lebensdauer eines PE-Behälters unter normalen Bedingungen ungefähr?
(Lagerung in einem dunklen Raum innerhalb eines Laborgebäudes, Lichtbeaufschlagung nur während des Transportes)
(Wie lange darf/sollte man sie max. verwenden?)
2. Wie beständig/haltbar sind die Einfüllöffnungen (Schraubgewinde für Verschlüsse)?
3. Bedürfen solche Behälter einer regelmäßigen Materialprüfung?

Antwort der BAM:

a) Verwendungsdauer von Behältern und Verschlüssen

Die BAM ist die in Deutschland zuständige Behörde für die Zulassung von Verpackungen und Großpackmittel (IBC) zur Beförderung gefährlicher Güter. In einigen benachbarten Rechtsbereichen (z.B. WHG) ist es durchaus üblich, auf solche verkehrsrechtlich zugelassenen Gefahrgutverpackungen in der Form Bezug zu nehmen, dass sie zusammen mit zusätzlichen Maßnahmen (z.B. Auffangwanne) als geeignete Umschließungen betrachtet werden.

Für solche Fälle lässt sich Ihre Fragestellung aus den gefahrgutrechtlichen Anforderungen beantworten:

Für Fässer, Kanister aus Kunststoff, starre Kunststoff-IBC und Kombinations-IBC mit Kunststoff-Innenbehälter zur Beförderung gefährlicher Güter beträgt die zulässige Verwendungsdauer, vom Datum ihrer Herstellung an gerechnet, gemäß den Bestimmungen des ADR fünf Jahre, es sei denn, wegen der Art des zu befördernden Stoffes ist eine kürzere Verwendungsdauer vorgeschrieben.

Dabei ist es für die Verwendungsdauer unerheblich, ob die Verpackung in leerem Zustand im Dunkeln aufbewahrt wird oder wirklich für die Beförderung eingesetzt wird. Das Herstellungsdatum ist Bestandteil der UN-Kennzeichnung der Verpackung.

Damit gilt die Verwendungsdauerbegrenzung von maximal 5 Jahren auch für die Verschlüsse. Generell gilt natürlich die Bestimmung, dass schadhafte Verpackungen oder deren Bestandteile schon vor Ablauf dieses Zeitraums nicht mehr verwendet werden dürfen. (Beschädigte) Verschlüsse dürfen deshalb vor Ablauf der Verwendungsdauer der Verpackung durch baugleiche Verschlüsse, wie sie in der Zulassung bzw. Prüfbericht spezifiziert sind, ersetzt werden. Andere Verschlüsse, als in der Zulassung festgelegt, dürfen nicht verwendet werden.

b) UV-Beständigkeit

Das ADR gibt keine konkrete Spezifikation bezüglich der UV-Beständigkeit vor. So lautet z.B. die Anforderung in 6.1.4.8.2 des ADR wie folgt:

Ist ein Schutz gegen ultraviolette Strahlung erforderlich, so muss dieser durch Beimischung von Ruß oder anderen geeigneten Pigmenten oder Inhibitoren erfolgen.

c) Regelmäßige Prüfungen

Verpackungen (Fässer, Kanister) unterliegen keinen wiederkehrenden Prüfungen, IBC werden nach 2,5 bzw. 5 Jahre wiederkehrend inspiziert und geprüft.

Fazit

Damit bleibt es bei der grundsätzlichen Verantwortung des Verwenders, der dafür sorgen muss, dass unter "normalen Beförderungsbedingungen" kein Füllgut frei gesetzt wird. Diese "normalen Beförderungsbedingungen" können sehr unterschiedlich sein: Sibirien im Winter - Australien im Sommer.

Der Verwender muss beim Hersteller die für seine Bedürfnisse ausreichend ausgelegten Verpackungen bestellen. Unabhängig davon bleibt es bei den oben dargestellten Verwendungsdauerbeschränkungen.

Bestandteil der verkehrsrechtlichen Zulassung zur Beförderung gefährlicher Güter ist der chemische Verträglichkeitsnachweis mit vorgeschädigten Baumustern. Da die Verschlüsse unverzichtbarer Bestandteil der geprüften Baumuster sind, gilt dieser Verträglichkeitsnachweis auch für die Verschlüsse.

Geeignetes Polstermaterial finden

Problemstellung:

In ADR 4.1.1.5 wird beschrieben, dass Innenverpackungen so in einer Außenverpackungen eingebracht werden müssen, dass sie nicht zerbrechen und durchlöchert werden können. Insbesonders müssen zerbrechliche Innenverpackungen in geeignetem Polstermaterial eingebettet werden. Was ist geeignetes Polstermaterial? Gibt es hierzu eine Definition oder genauere Auslegung?

Antwort der BAM:

Es gibt keine direkten Spezifikationen für das einzusetzende Polstermaterial, das nur in Zusammenhang mit der konkret eingesetzten Außenverpackung und Innenverpackung seine Rolle spielt. So wird man bei Innenverpackungen aus Glas anderes Polstermaterial brauchen als bei Innenverpackungen aus Metall und bei Kisten aus Wellpappe als Außenverpackung anderes Polstermaterial als bei Kisten aus Stahl.

Eine indirekte Anforderung ergibt sich aus der zu erfüllenden Anforderungen nach 4.1.1.1: Die Verpackungen müssen so guter Qualität sein, dass unter normalen Beförderungsbedingungen kein Füllgut freigesetzt wird. Zur Normalität gehören in unseren Augen kräftige Stöße bei der Handhabung und Umsetzung, gleichbedeutend mit einer Fallprüfung aus mindestens 0,8 m.

Wir raten deshalb vor Einsatz des Versandstücks sich mit Hilfe solcher Fallprüfungen zu vergewissern, ob „Ihr“ Polstermaterial bei der gewählten Verpackungskombination geeignet im Sinne der Vorschriften ist.


Kann man anhand der Verpackungscodierung erkennen, ob und wie Verpackungen gestapelt werden dürfen?

Problemstellung:

Kann man anhand der Verpackungscodierung erkennen, ob und wie Verpackungen gestapelt werden dürfen?

Antwort der BAM:

Prinzipiell ist die Beantwortung der Frage der Stapelbarkeit von Gefahrgutverpackungen erst einmal sehr einfach:

Mit Ausnahme der Säcke und der kaum auf dem Markt befindlichen nicht stapelbaren Kombinationsverpackungen (Glas, Porzellan oder Steinzeug) mit dem "RID/ADR" (anstelle UN) müssen alle Gefahrgutverpackungen mit einer Stapellast die Stapeldruckprüfung bestanden haben, die einer Stapelhöhe von 3 Metern gleicher Verpackungen übereinander entspricht.

Dies bedeutet, dass man z.B. auf ein "Standard-55-Gallonen-Stahlfass" (etwa 216 Liter Fassungsraum) mit einer quasi genormten Bauhöhe von etwa 880 mm zwei weitere Fässer gleicher Bauart (= Stapelhöhe 2,64 m, aber nicht mehr ein drittes weiteres Fass (= Stapelhöhe 3,52 m) statisch stapeln kann.

Die Realität der Beförderung ist nun allerdings etwas komplizierter:

1. UN-Kennzeichnung für zusammengesetzte Verpackungen

Betrachten wir beispielhaft die Kennzeichnung UN 4G/Y30/S/... für eine Pappkiste:

Aus ihr ist abzuleiten, dass diese Kiste aus Pappe eine maximale Bruttomasse M = 30 kg haben darf. Die mindestens erforderliche Stapelmasse S für die Stapeldruckprüfung wird wie folgt errechnet:

S =(3000/H - 1) x M, wobei H die Bauhöhe der Verpackung in Beförderungslage ist. Eine typische Bauhöhe einer Pappkiste mit Bruttomasse von 30 kg ist z.B. H = 325 mm. Damit ergibt sich in diesem Fall eine geprüfte Stapelmasse von S = 247 kg.

Das ist theoretisch im statischen Fall die maximal zulässige Stapelmasse auf diese Kiste. Praktisch ergeben sich folgende Einschränkungen:

- Vibrationen sind nicht geprüft;

- die Niederzurrkräfte von Gurten bei der Ladung müssen von der zulässigen Stapelmasse abgezogen werden;

- Die Kraft der Prüflast wird bei der Stapeldruckprüfung gleichmäßig über die ganze Oberfläche aufgebracht - die Gurtkraft wirkt ggf. genauso wie anders geformte Versandstücke ohne Anwendung von stabilen starren Zwischenlagen punktuell auf die Verpackung ein, so dass sie schon bei geringeren Stapelmassen versagt;

- bei der Stapeldruckprüfung ist nicht festgelegt, ob man mit geführten Stapellasten (z.B. Prüfmaschine) oder ungeführten Stapellasten (frei aufliegende Gewichte) arbeitet; mit geführten Stapellasten kann man damit das einseitige Einknicken einer Ecke oder Kante der Pappkiste im Stapel nicht prüfen; dies ist aber eindeutig eine zulässige Prüfmethode;

- Kisten aus Pappe werden in einem Normklima (50% relative Luftfeuchtigkeit) geprüft; hohe Feuchtigkeit kann die Stapelbarkeit verringern.

2. UN-Kennzeichnung für Einzelverpackungen mit festem Inhalt

Betrachten wir beispielhaft die Kennzeichnung UN 1A2/X250/S/... für ein Fass:

Hier kann man formal nach der obigen Berechnung (und Ansetzen der Bauhöhe von 880 mm für ein "Standardfass" zu einer geprüften Stapelmasse von S = 602 kg kommen. Man muss allerdings die Bemerkungen 1 bis 3 zu 6.1.3 des RID/ADR beachten, dass die Kennzeichnung nicht unbedingt alles über die zulässige Verwendung wiedergibt. Es kann sein, dass ein solches Fass für Stoffe der Verpackungsgruppe II mit einer Bruttomasse von 350 kg und für Stoffe der Verpackungsgruppe III sogar für die maximal zulässige (Nettomasse maximal 400 kg) Bruttomasse von etwa 420 kg verwendet werden darf. Dies würde sich ggf. erst aus dem entsprechenden Zulassungsschein bzw. Prüfbericht ergeben. In diesem (Extrem-)Fall würde sich eine geprüfte Stapelmasse von S = 1 t ergeben. Die obigen Einschränkungen über die reale Stapelbarkeit gelten auch hier.

3. UN-Kennzeichnung für Einzelverpackungen mit flüssigem Inhalt

Betrachten wir beispielhaft die Kennzeichnung UN 1A1/X1.5/250/... für ein Fass:

Dieses Fass ist gemäß Kennzeichnung auf jeden Fall für flüssige Stoffe der Verpackungsgruppe I mit einer maximalen relativen Dichte von 1,5 geprüft und zugelassen. Setzt man als Beispiel wieder Abmessungen des o.g. 55-Gallonen-Fasses an, ergibt sich folgende Rechnung mit der folgenden modifizierten Formel:

S =(3000/H - 1) x M, wobei M = (d x V x 0,98) + T (d = zulässige Dichte, V = Fassungsraum, T = Tara (hier ungefähr 20 kg), 0,98 ist der Mindestfüllgrad bei der Prüfung).

Damit ergibt sich eine geprüfte Stapelmasse von S = 813 kg.

Entsprechend den gleichen Argumenten wie in Ziffer 2 kann die Verwendung für flüssige Stoffe der Verpackungsgruppe II in diesem Beispiel mit einer maximalen Dichte von 1,9 zulässig sein mit - wie oben errechnet - einer geprüften Stapelmasse von 1 Tonne (erfährt man ggf. erst konkret aus dem Zulassungsschein). Dies ist in diesem Bespiel die maximal mögliche Dichte, weil sonst die Nettomasse von 400 kg überschritten würde. Bei Fässern mit geringerem Fassungsraum ergibt sich aus der formalen Umrechnung gemäß den Bemerkungen von 6.1.3 in diesem Kennzeichnungsfall eine maximale "Umrechnungsdichte" von 2,25 für die Verpackungsgruppe II und 3,38 für Verpackungsgruppe III. Die obigen Einschränkungen über die reale Stapelbarkeit gelten auch hier.

Falls bei konkreten Kontrollen solche Verpackungsdaten gebraucht werden, folgender Hinweis:

Die BAM hat seit April 2000 alle erstellten Zulassungsscheine in elektronischer Form verfügbar. Sie können unter Verpackungs-Recherche gesucht, gefunden und heruntergeladen werden.


Assimilierungsliste, Labormethoden und Expertenmeinungen zur Assimilierbarkeit bestimmter Substanzen oder Gemische

Fragestellung:

Das Thema chemische Beständigkeit und Anwendung der Assimilierungsliste ist zuletzt u.a. Aufgrund der Aufnahme ins ADR/RID sehr präsent.

Die Assimilierungsliste ist als einfaches Mittel für (chemische) Laien erstellt worden, anhand der sich ein normaler Gefahrgutbeauftragter die chemische Verträglichkeit eines Kunststoffes ermitteln kann.

Wie sieht die rechtliche Seite aus, wenn Fachleute wie die Herren [...] Aussagen zur Assimilierbarkeit bestimmter Substanzen oder Gemische machen.

Als Beispiel: ein Gemisch aus Ethanol (--> Essigsäure) und Ethylacetat (--> n-Butylacetat) wäre nach der Vorschrift NICHT assimilierbar. Die realen Schädigung von Essigsäure auf den Werkstoff Lupolen 4261AGUV ist jedoch so niedrig, daß im Gemisch mit n-Butylacetat kein stärkerer chemischer Angriff zu erwarten ist als bei reinem n-Butylacetat.

Wenn nun die o.g. Fachleute dieses bestätigen (würden), kann ich als Befüller/ Versender mich im Rechtsstreit auf solche Aussagen stützen?

Als weiteren wesentlichen Nachteil der Assimilierungsliste sehe ich, dass stark permeierende Substanzen aus der Liste herausgenommen sind. Denn Permeation und Beständigkeit sind zwei paar Schuhe.

Wir haben mit der Fa. [...] zusammen erfolgreiche Versuche gemacht, um die Permeation durch EVOH-Sperrschichten bei K-IBC zu stoppen bzw. stark reduzieren. Wenn ich nun Substanzen wie Ketone (außer Aceton) oder Aromaten (Toluol) in der Assimilierungsliste suche, kann ich diese dort nicht finden. Wie soll ich also vorgehen, wenn man weiß, dass die Standard-Flüssigkeit KW-Gemisch selbst aus 50% Toluol besteht, aber dennoch nicht in der Assimilierungsliste auftaucht? Ist es dann dennoch richtig, wenn für Toluol die chemische Beständigkeit als erfüllt angesehen wird?

Es geht darum, die Labormethodenprüfung (die nicht ganz billig sind) soweit einzuschränken, dass nur wirklich kritische Substanzen dieser Prüfung unterzogen werden müssen.

Antwort der BAM:

Wenn die Sache rein formal betrachtet wird, ist evident, dass auch bei der von Ihnen genannten Mischung Ethanol/Ethylacetat der chemische Verträglichkeitsnachweis mit Hilfe der Labormethoden geführt werden müsste. Dies sollte als Grundsatzanspruch auch beibehalten bleiben, wenn man die Erfahrung hat, welch absolute - nicht nur chemische - Laien in manchen Fällen zum ersten Mal mit den Gefahrgutvorschriften in Berührung kommen und wenn man nicht weiß, welche grenzwertigen Verpackungen ggf. in manchen europäischen Ländern in der Zukunft noch zugelassen werden. Aus diesen Gründen muss der offizielle Vorschriftentext weiterhin sehr konservativ bleiben.

Wenn man allerdings weiß, auf welcher Grundlage die frühere und jetzige Assimilierungsliste zustande gekommen ist, kommt man zu differenzierteren Schlussfolgerungen: Auch für bestimmte in der jetzigen Assimilierungsliste genannten Stoffe lagen keine konkreten Prüfergebnisse aus Labormethoden vor. Im betreffenden deutschen Antrag an die Gemeinsame Tagung wurden die Grundsätze für die Erarbeitung der Assimilierungsliste offen dargelegt. Ein Grundsatz war (Zitat):

Sammeleintragungen wurden dann in das Verzeichnis aufgenommen, wenn sie entweder eine wohldefinierte chemische Stoffgruppe bezeichnen und zweifelsfrei feststeht, dass positive Prüfergebnisse mit einzelnen Vertretern einer solchen Gruppe für die gesamte Gruppe gelten, oder wenn sie einer neuen Zuordnungs-Regel für Sammeleintragungen unterworfen werden können.

Einzelne Vertreter solcher Sammeleintragungen sind damit in die Assimilierungsliste aufgenommen worden, obwohl keine konkreten Prüfergebnisse vorlagen, wobei aber alle verfügbaren Fachleute - u.a. die von Ihnen genannten - feststellen konnten, dass es keine vernünftigen Zweifel daran gibt, dass sie sich bezüglich der Schädigungswirkungen gleich verhalten wie geprüfte chemisch ähnliche Substanzen. Daraus kann man durchaus die Berechtigung ableiten, dass Fachleute auch in etwas anders gelagerten Fällen, wie bei den von Ihnen genannten Gemischen, auch ohne Prüfergebnisse zu zutreffenden Beurteilungen der chemischen Verträglichkeit kommen können. Zu Ihrer Nachweisführung wäre allerdings eine schriftliche Form einer solchen Beurteilung durch einen Fachmann erforderlich. Im Zweifelsfall sollte immer die BAM in ihrer Eigenschaft als zuständige Behörde eingeschaltet werden.

Aus dieser Feststellung ergibt sich allerdings ein abstraktes Problem: Wer darf sich als solch ein Fachmann bezeichnen? Dafür gibt es (noch) kein festgelegtes Verfahren.

Zur Klarstellung sei gesagt, dass wir bezüglich der von Ihnen namentlich genannten Fachleute keine Zweifel bezüglich ihrer Fachkompetenz haben, da diese Fachleute - dies ist wichtig - jahrelange Erfahrung mit der Herstellung, Bauartprüfung und Verwendung von Gefahrgutverpackungen aus Kunststoff haben. Diese Fachleute haben auch den Überblick über die in ihren Betrieben gefertigte Produktpalette mit den zu einem Gefahrgut auch unter praktischen Gesichtspunkten wirklich geeigneten Bauarten. Nebenbei gesagt waren diese Fachleute auch bei der Erstellung der Assimilierungsliste wesentlich beteiligt und haben ihre Fachkompetenz mit eingebracht.

Bei Ihrem konkreten Beispiel Ethanol/Ethylacetat hätte auch die BAM keine vernünftigen Zweifel, dass der chemische Verträglichkeitsnachweis als erbracht gelten kann, wenn die betreffende Bauart mit den Standardflüssigkeiten Netzmittellösung und n-Butylacetat/mit n-Butylacetat gesättigte Netzmittellösung geprüft und zugelassen worden ist. Zweifel hätten wir allerdings dann, wenn die betreffende Bauart nur mit der schwächer spannungsrissauslösenden Essigsäure (die in der Assimilierungsliste bei Ethanol steht) und n-Butylacetat/mit n-Butylacetat gesättigte Netzmittellösung geprüft und zugelassen wäre. Dies ist allerdings bei deutschen Zulassungen in der Realität kaum der Fall. Hier wird in aller Regel mit Netzmittellösung geprüft und die Essigsäure in der Zulassung anerkannt.

Anders liegt der Fall bei der Standardflüssigkeit Kohlenwasserstoffgemisch. Laut 6.1.6 des ADR/RID hat diese Standardflüssigkeit einen Aromatengehalt von 16 % bis 21 % und deckt eine Quellung bis 7,5 % ab. Reine Aromaten wie Toluen haben eine höhere Quellung (=Schädigung) und können durch das Assimilierungsverfahren aus diesen Gründen nicht abgedeckt werden. Permeationsbarrieren sind in diesem Verfahren nur im letzten Absatz von 6.1.5.2.6 bzw. 6.5.4.3.5 geregelt, der besagt, dass Bauartprüfungen, durchgeführt mit nicht fluorierten Prüfmustern, auf fluorierte Verpackungen zugelassen werden darf. Bei anderen Permeationsbarrieren (PA, EVOH) gilt das im ADR/RID stehende Verfahren nicht. Wir haben allerdings in Deutschland auch für diese Fälle schon praktikable Verfahren für den chem. Verträglichkeitsnachwieis erarbeitet und zugelassen. Abgesehen davon kann die Assimilierung erfolgen, wenn bestimmte Bauarten mit stärker quellenden "Modellflüssigkeiten" geprüft wurden. Einzelheiten dazu können bei uns abgefragt werden.


7. Gefahrstoffe/ Gefahrgüter/ Klassifizierung

Was ist der Unterschied zwischen Gefahrstoffen und Gefahrgütern?

Gefährliche Stoffe

sind Stoffe oder Gegenstände, die während ihres Gebrauchs gefährliche Stoffe freisetzen können.

Zur Klassifizierung von Gefahrstoffen wird im Prinzip die Auswirkung des dauernden beruflichen Kontaktes mit Personen betrachtet, demgemäß auch die chronische Wirkung eines Stoffes.

Gefahrstoffe haben tendenziell niedrigere Grenzwerte bei der Klassifizierung als die gleichen Gefahrgüter.

Gefährliche Güter

sind im Prinzip die o.g. gefährlichen Stoffe und Gegenstände, von denen auf Grund ihrer Natur, ihrer Eigenschaften oder ihres Zustandes im Zusammenhang mit der Beförderung Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung, insbesondere für die Allgemeinheit, für wichtige Gemeingüter, für Leben und Gesundheit von Menschen sowie für Tiere und Sachen ausgehen können.

Zur Klassifizierung von Gefahrgütern wird im Prinzip die Auswirkung eines einmaligen Kontaktes mit Personen bei einem Unfall betrachtet (akute Wirkung eines Stoffes oder Gegenstandes).


Hinweise zur Klassifizierung

Handbuch über Prüfungen und Kriterien (Klassifizierung selber durchführen)

Empfehlungen für die Beförderung gefährlicher Güter. Handbuch über Prüfungen und Kriterien, in deutscher Sprache als vierte überarbeitete Auflage. Es handelt sich um die Übersetzung der UN-Publikation "Recommendations on the Transport of Dangerous Goods. Manual of Test and Criteria". Mit diesem Text werden das UN-Klassifizierungsschema für gewisse Arten von gefährlichen Gütern und eine Beschreibung der als am geeignetsten angesehenen Prüfverfahren vorgestellt.

Wichtig: Für alle Verkehrsträger verbindlich ist die 4. überarbeitete Auflage des Handbuchs (nur im Druck und in Englisch erhältlich). Ab 2011 gilt die 5. Auflage, welche die BAM als Übersetzung zum Download anbietet. Detaillierte Infos finden Sie in den Erläuterungen zum Handbuch über Prüfungen und Kriterien .

Zulässige Verpackung finden (Gefahrgüter/Gefahrstoffe für bestimmte Verpackungen klassifizieren)

Welche Verpackung man verwenden darf, hängt von der Art des Füllgutes ab, welches damit befördert werden soll. Eine Anleitung, wie Sie die richtige Verpackung auswählen, finden Sie unter "Verwendung".

Gefahrgüter/Gefahrstoffe suchen

In der Gefahrgut Schnellauskunft der Datenbank-GEFAHRGUT (kostenfrei) ist die Eingabe des Stoffnamens oder der UN-Nummer möglich. Wird man bei der Suche über den Stoff-Namen fündig, kann man nach der Anleitung unter ("Zulässige Verpackung finden") weiter verfahren.


Probleme bei der Kassifizierung eines Stoffes "fest" bzw. "flüssig", Auswahl der Prüfmethode

Problemstellung:

Ein stark alkalisches, strukturviskoses Reinigungsgel wurde als fester Stoff mit der UN-Nr. 3262 klassifiziert. Befördert wurde es in einem Fass aus Kunststoff (1H2), welches ausschließlich für feste Stoffe zugelassen wurde.

Der Ersteller des Sicherheitsdatenblattes gab an, dass die Fließgrenzenbestimmung mit dem Thermo Haake Viscotester VT 550 im CD-Modus (Controlled Deformation) durchgeführt wurde.

Die Kontrollbehörden bemängelten die fehlende Viskositätsangabe auf dem Sicherheitsdatenblatt und gaben bei der BAM ein Gutachten in Auftrag, das klären sollte

- welchem Aggregatzustand das Produkt zuzuordnen sei,

- ob das vom Ersteller des Sicherheitsdatenblattes angewandte Prüfverfahren für die durchgeführte Klassifizierung angemessen war und

- ob die verwendete Verpackung zulässig ist.

Antwort der BAM:

Die Fragestellung, ob die im Zulassungsschein Nr. D/BAM 0000/1H2 spezifizierte Verpackung für das Produkt mit dem Handelsnamen XXXX verwendet werden durfte, ist entscheidend mit der richtigen Klassifizierung des beförderten Gefahrguts verknüpft. Es ist eindeutig, dass Verpackungen der oben genannten Bauart nur für feste gefährliche Güter verwendet werden dürfen. Damit konzentriert sich die Fragestellung der zulässigen Verwendung der Verpackung darauf, ob das beförderte Produkt im Sinne der Vorschriften zur Beförderung gefährlicher Güter, hier insbesondere im Sinne des ADR, als fester oder flüssiger gefährlicher Stoff zu klassifizieren war.

Diese Fragestellung ist im Kapitel 1.2 des ADR geregelt:

Flüssiger Stoff: Ein Stoff, der bei 50°C einen Dampfdruck von höchstens 300 kPa (3bar) hat und bei 20°C und einen Druck von 101,3 kPa nicht vollständig gasförmig ist und der

a) bei einem Druck von 101,3 KPa einen Schmelzpunkt oder Schmelzbeginn von 20°C oder darunter hat oder
b) nach dem Prüfverfahren ASTM D 4359 – 90 flüssig ist oder
c) nach den Kriterien des in Abschnitt 2.3.4 beschriebenen Prüfverfahrens für die Bestimmung des Fließverhaltens (Penetrometerverfahren) nicht dickflüssig ist.

Als „fester Stoff“ wird demgemäß unter Bezugnahme der gleichen Prüfmethoden im Kapitel 1.2 des ADR die komplementäre Definition geführt.

Das Produkt XXXX wird im vorliegenden Sicherheitsdatenblatt als strukturviskoses Reinigungsgel bezeichnet. Demgemäß hat diese Zubereitung keinen definierten Schmelzpunkt oder Schmelzbeginn. Prüfmethode a) ist also nicht anwendbar.

Gleichfalls ist dem Betroffenen zuzustimmen, dass Prüfmethode c) ebenfalls nicht anwendbar ist, weil das stark alkalische Produkt die im oben genannten Penetrometerverfahren einzig zulässige Siebscheibe aus Aluminium stark angreift.

Es bleibt die Frage, warum die Prüfmethode b) zur Entscheidung über den Aggregatzustand fest/flüssig nicht herangezogen wurde. Die dort in Bezug genommene amerikanische Norm fordert keine Viskositätsmessung im physikalischen Sinne, sondern stellt ein relativ einfaches pragmatisches Verfahren zur Entscheidung fest oder flüssig bereit. Da dort keine speziellen Werkstoffe bei der Prüfapparatur gefordert werden, können auch keine Korrosionsprobleme die Anwendung dieses Prüfverfahrens verhindern.

Nach dieser Norm wird geprüft, ob ein auf 38°C temperiertes Produkt innerhalb von 3 Minuten zu mehr als 50 mm aus dem Rand einer auf den Kopf gestellten 1-Liter-Dose (z.B. übliche Farbdosen mit etwa 108 mm Durchmesser und ca. 120 mm Höhe) herausgelaufen ist oder sich mehr als 1 g Substanz auf ein darunter gestelltes Uhrglas befindet. Ist mindestens eine dieser beiden Bedingungen erfüllt, gilt die Substanz als flüssig, ansonsten als fest. (Genaues Prüfverfahren siehe Norm)

Es ist natürlich in dieser Stellungnahme nicht belegbar, ob das Produkt entsprechend dieser ASTM D 4539 - 90 als fest oder als flüssig zu klassifizieren wäre, aber es bleibt dem Betroffenen vorwerfbar, dass diese praktizierbare Prüfmethode entsprechend dem ADR nicht angewandt wurde. Dies wird dadurch verstärkt, dass für diese Prüfmethode keinerlei aufwendige Prüfapparatur notwendig ist. Eine Recherche im Internet ergibt außerdem sehr schnell, dass diese Norm für 28,00 $ (Dollar) bezogen werden kann.

Die vom Betroffenen angeführten Argumente über die Fließgrenze bei 20°C sind insofern nicht relevant. Wenn entsprechend den oben genannten Prüfregeln der als „fest“ klassifizierte Stoff bei höheren Temperaturen flüssig wird, muss z.B. 4.1.1.13 bzw. 4.1.3.4 des ADR beachtet werden. Wird im Umkehrschluss ein Stoff, der entsprechend der o.g. Norm bei 38°C als flüssig eingestuft wurde, bei Raumtemperatur fest, so ist er bei trotzdem als flüssiger gefährlicher Stoff zu klassifizieren. Dann wäre die gewählte Verpackung unzulässig.

Hinweis: Unterstellt man, dass die in dem Sicherheitsdatenblatt nicht näher beschriebenen Bestandteile der Zubereitung „Co-löser“ und „Tensid“ keine gefährlichen Güter nach ADR sind, sollte für die Zubereitung entsprechend den Klassifzierungsprinzipien in 2.1.3.3 – je nach Ausgang der Prüfung auf den Zustand fest/flüssig – anstelle der oben genannten allgemeinen N.A.G. -Position der UN 3262 entweder die UN 1823 NATRIUMHYDROXID, FEST, GEMISCH oder die UN 1824 NATRIUMHYDROXIDLÖSUNG zugeordnet werden siehe auch 3.1.2.9 des ADR).