20.12.2017

1. Transportbehälter für abgebrannte Brennelemente

1.1 CASTOR

Wozu dienen CASTOR-Behälter?

Der Name CASTOR steht für "Cask for Storage and Transport of radioactive Material", also für "Behälter zur Lagerung und zum Transport radioaktiven Materials". CASTOREN wurden entwickelt, um abgebrannte Brennelemente und hochradioaktive verglaste Abfälle aus Kernkraftwerken zu ihren Zwischenlagern zu transportieren. Sie sollen Strahlung abschirmen und die Freisetzung von Radioaktivität verhindern.

Die Behälter gehören zu den so genannten Typ-B-Versandstücken. Abgebrannte Brennelemente dürfen bis zu 40 Jahre darin lagern. Hersteller der CASTOREN ist die GNS Gesellschaft für Nuklear-Service mbH in Essen.

Herzstück der CASTOREN ist ihr 30 bis 40 Zentimeter dicker Grundkörper aus Gusseisen, das mit Kugelgraphit angereichert wurde. Je nach Bauart sind in die Wandung mehrere Längsbohrungen mit Polyethylenstangen eingebracht, um die Neutronenabschirmung zu verbessern. Die unter Wasser beladenen Behälter sind innen vernickelt und außen mit Polyesterharz beschichtet.

CASTOR-Behälter auf dem TTS

CASTOR-Behälter in der Fallprüfhalle der BAM

Quelle: BAM

Für Brennstäbe, die noch Wärme entwickeln, besitzt der Behälter Kühlrippen. Boden und Stahldeckel sind mit abschirmenden Polyethylenplatten ausgerüstet. Der Deckel besteht aus einem so genannten Zwei-Barrieren-Dichtsystem, auf das während der Lagerung noch ein dritter Schutzdeckel aufgesetzt wird. Sowohl Deckel wie Boden werden während des Transports durch große Stahlblech-Stoßdämpfer geschützt. CASTOREN sind etwa sechs Meter lang, besitzen einen Durchmesser von etwa zwei Metern und können beladen bis zu 140 Tonnen wiegen.

Versuche mit CASTOR-Behältern

Zur gefahrgutrechtlichen Prüfung der CASTOREN arbeitet die BAM mit dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) zusammen. Das BfS prüft die Strahlenabschirmung und Kritikalitätssicherheit der Behälter. Die BAM beurteilt die Konstruktion und unternimmt verschiedene Versuche und Berechnungen zur Unfallsicherheit der Behälter. Sie werden dabei mechanischen und thermischen Prüfungen unterzogen.

Die mechanische Prüfung besteht aus mehreren Fallversuchen. Im ersten Durchlauf muss der Behälter aus neun Metern Höhe auf ein unnachgiebiges Fundament fallen - und zwar so, dass es zum größtmöglichen Schaden kommt. In der zweiten Versuchsreihe fällt der Behälter aus einem Meter Höhe auf einen festen Stahldorn von 15 Zentimetern Durchmesser und 20 Zentimetern Höhe. Auch hier wird der Behälter in verschiedenen Positionen so ausgerichtet, dass ein größtmöglicher Schaden entsteht.

Bei leichten Behältern bis zu 500 Kilogramm Masse und einem spezifischen Gewicht von weniger als 1000 Kilogramm pro Kubikmeter wird zusätzlich ein Quetschtest durchgeführt. Dabei fällt ein Gewicht von 500 Kilogramm aus neun Metern Höhe auf den liegenden Behälter.

Fallversuche für kleinere Behälter führt die BAM auf ihrem Testgelände in Berlin-Lichterfelde durch. Größere Behälter wurden anfangs auf dem Fallprüfstand in Lehre getestet, seit 2004 auf dem BAM Testgelände TTS in Horstwalde bei Berlin. Die Fundamente der dortigen Fallversuchsanlage bestehen aus vier bzw. fünf Meter dickem Stahlbeton, in dessen Oberfläche eine 20 Zentimeter dicke Stahlplatte eingelassen ist. Dadurch ergibt sich im Versuch eine höhere Stoßkraft, die unter realen Bedingungen erst bei wesentlich höheren Aufprallgeschwindigkeiten erreicht würde.

Weltweit erstmalig wurde bereits 1978 ein Brennelement-Transportbehälter des Typs CASTOR Ia in Originalgröße getestet.

In diesem wie auch allen weiteren bisherigen Fallversuchen erwiesen sich die CASTOREN als unfallsicher.

In ergänzenden Versuchen wurde außerdem ein 1:2-Modell eines Brennelement-Transportbehälters mehrmals aus etwa 200 Metern Höhe vom Hubschrauber abgeworfen. Die sicherheitsrelevanten Abschirmungen und Dichtungen wurden dabei nicht beeinträchtigt.

Zur thermischen Prüfung wird der CASTOR einem halbstündigen Feuer ausgesetzt, das ihn vollständig umhüllt. Die mittlere Flammentemperatur muss 800 Grad Celsius betragen.

CASTOR-Behälter werden außerdem einer Wassertauchprüfung unterzogen. Sie müssen dabei eine Stunde lang einem Überdruck von zwei Mega Pascal standhalten. Das entspricht dem Druck in 200 Metern Tiefe. Der Versuch wird in der Regel am Computer simuliert.

Innerhalb von 28 Jahren hat die BAM über 100 Fall- und Brandversuche mit CASTOREN und vergleichbaren Behältern sowie mehr als 100 Versuche mit anderen Typ B-Behältern durchgeführt.

Unter anderem wurde im April 1999 ein Unfall inszeniert, bei dem ein CASTOR-Behälter der Explosion eines mit Propan gefüllten Kesselwagens ausgesetzt wurde. Der Feuerball des explodierenden Wagens war über 150 Meter hoch, Einzelteile des Propantanks flogen bis zu 200 Meter weit.

Der CASTOR-Behälter wurde sieben Meter weit von seinem Prüfstand geschleudert, vollführte einen Überschlag und drang mit dem Deckel voran einen Meter weit in den Boden ein.

Explosionsversuch mit einem CASTOR

Versuchsaufbau: Der CASTOR steht neben dem Kesselwagen

Quelle: BAM

CASTOR nach der Explosion des Kesselwagens

Nach der Explosion: Der CASTOR ist aus seiner Position geschleudert worden.

Quelle: BAM


Die Dichtungen hielten der Explosion stand, obwohl der Versuch ohne die schützenden Stoßdämpfer durchgeführt wurde. Selbst gegen einen Flugzeugabsturz wären die CASTOREN gefeit. Das konnte nachgewiesen werden, indem ein Stahlwellenprojektil mit einer Masse von 1000 Kilogramm und einer Geschwindigkeit von 300 m/s auf einen Prüfbehälter geschossen wurde.

Berechnungen ergänzen Versuche

Nicht alle potenziellen Unfälle lassen sich experimentell durchführen. Deshalb werden mittlerweile die meisten Beanspruchungen an den Behältern durch die Finite-Element-Methode (FEM) im Computer simuliert. Der Vorteil: Aus den Berechnungen lässt sich besser als aus den Versuchen ableiten, wann das Material an seine Belastungsgrenzen kommt. Jedes einzelne Bauteil lässt sich einer Festigkeits- und Wärmerechnung unter den verschiedensten Bedingungen unterziehen. Dabei werden beispielsweise Spannungen oder Verformungen an Stellen sichtbar, die im realen Versuch gar nicht zugänglich wären.

Für die Berechnungen werden Vergleichsdaten früherer Versuche herangezogen. Die Ergebnisse der Computer-Simulation werden unter anderem in späteren Konstruktionen berücksichtigt. So haben beispielsweise die Erfahrungen mit POLLUX-Transportbehältern dabei geholfen, die CASTOREN sicherer zu machen.

Das Arbeiten mit Modellen und Simulationen entspricht den weltweit vereinbarten Regelungen zum Transport radioaktiver Stoffe, den IAEA Regulations for the Safe Transport of Radioactive Material (PDF).

Ob die in der Berechnung ermittelten Sicherheitsreserven des Behälters tatsächlich ausreichen, lässt sich wiederum im Versuch überprüfen. So wurde beispielsweise einem CASTOR VHLW-Behälter ein zwölf Zentimeter tiefer Riss zugefügt. Im Fall aus 14 Metern Höhe musste der fehlerhafte Prüfling dann beweisen, dass er auch mit Mängeln dicht hält. Das Ergebnis: Der CASTOR blieb intakt.

1.2 CONSTOR und weitere Behälter

Der CONSTOR (eine Abkürzung für CONcrete STORage Cask) soll nach den Vorstellungen des Herstellers GNS Gesellschaft für Nuklear Service mbH eine Alternative zur Verwendung von CASTOR-Behältern im Ausland darstellen.

Der CONSTOR besteht aus einem inneren und einem äußeren Stahlmantel, der Zwischenraum ist mit Schwerbeton gefüllt. Der Behälter soll wahlweise 32 Brennelemente aus Druckwasser- oder 69 Brennelemente aus Siedewasserreaktoren aufnehmen können.

Der Behälter ist mit Stoßdämpfern fast 7,50 m lang und hat einen Durchmesser von 3,50 m. Weil er 181 Tonnen wiegt, konnte er bisher nirgendwo realen Falltests unterzogen werden. Dies wurde erst durch die 2004 errichtete Fallversuchsanlage der BAM möglich. Im September 2004 prüfte die BAM das Modell CONSTOR V/TC in einem Horizontalfall aus neun Meter Höhe erfolgreich auf seine Dichtheit.

Fallversuch mit einem CONSTOR-Behälter

Fallversuch mit einem CONSTOR-Behälter

Quelle: BAM

Die BAM nutzte die Messungen auch dazu, real auftretende Beanspruchungen mit Computersimulationen zu vergleichen. Die gesammelten Daten helfen, Berechnungen nach der Finite-Element-Methode (FEM) zu perfektionieren.

Eine umfangreiche Versuchsserie wurde in der BAM im Herbst 2004 mit dem 127 Tonnen schweren Behälter MSF-69BG des japanischen Herstellers Mitsubishi Heavy Industries Ltd. (MHI) durchgeführt. Er ist einschließlich der Stoßdämpfer 6,90 m lang und hat einen Durchmesser von 3,10 m. Auch dieser Behälter soll einmal abgebrannte Brennstäbe aus Kernkraftwerken aufnehmen. Um seine Dichtheit zu überprüfen, wurde der MSF-69BG schräg aus neun Meter Höhe abgeworfen.

Tests außerhalb der BAM

Die Sicherheit von CASTOREN und verwandten Behältern wurde international immer wieder überprüft. Die Ergebnisse bestätigen insgesamt die Erkenntnisse der BAM.

Hier einige Beispiele:

Die US-amerikanischen Sandia National Laboratories untersuchten Transportbehälter für Brennelemente in Hochgeschwindigkeits-Crashtests. Dabei wurde der Prüfling mit 97 km/h und 135 km/h auf eine massive Betonwand gefahren. Der Behälter zeigte keine schwerwiegenden Schäden. Er überstand auch den senkrechten Zusammenprall mit einer 131 km/h schnellen Diesel-Lokomotive und die ebenso schnelle Fahrt per Eisenbahnwaggon an eine Betonwand.

Ohne Schäden überstand 1992 auch ein tiefkalter MOSAIK-Behälter den Fall aus 9 und 18 Metern Höhe, obwohl man ihn mit einem rissartigen Fehler versehen hatte. Einen MOSAIK-Behälter ließ die Firma GNS ein Jahr später aus 800 Metern Höhe auf eine Betonpiste stürzen.

Auf dem japanischen CRIEPI Test Centre wurde einem dem deutschen CASTOR V sehr ähnlichen Behälter ebenfalls ein großer Riss beigefügt. Das schadhafte Prüfstück kühlte man dann auf –40 Grad Celsius ab, um seine Sprödigkeit zu erhöhen. Beim Fall auf ein unnachgiebiges Fundament weitete sich der Riss nicht aus, der Behälter blieb dicht.

In England wurde das Magnox-Transportbehältersystem einem Crash-Test unterzogen. Eine auf 160 km/h beschleunigte Diesel-Lokomotive mit drei Waggons prallte auf einen liegenden Magnox-Behälter. Zum Vergleich: Wie Messungen zeigten, wirkte eine geringere Stoßkraft als beim 9-Meter-Fallversuch auf das unnachgiebige Fundament.

1.3 Pollux-Behälter zur Endlagerung radioaktiver Stoffe

Wozu dienen POLLUX-Behälter?

Die POLLUX-Behälter wurden von der Gesellschaft für Nuklear-Behälter mbH (GNB) für die direkte Endlagerung abgebrannter Brennelemente entwickelt. Sie könnten in eine tiefe geologische Formation, beispielsweise ein stillgelegtes Salzbergwerk, verbracht werden. Ob hier eines Tages Pollux-Behälter zum Einsatz kommen, ist aber offen.

Der POLLUX besitzt einen Schmiedestahl-Innenbehälter, der verdichteten Atommüll aufnehmen und den Einschluss der Radionuklide sicherstellen soll. Ein zweiter äußerer Behälter aus Sphäroguss GGG 40 dient der Abschirmung der radioaktiven Strahlung, muss dafür aber keine Dichtfunktion mehr übernehmen und besitzt deshalb nur einen vergleichsweise einfachen Schraubdeckel.

POLLUX könnte je nach Bauart die Brennstäbe aus 18 bzw. 30 Brennelementen aus Druckwasserreaktoren bzw. Siedewasserreaktoren aufnehmen. Der Behälter hat einen Durchmesser von fast 2 Meter, ist etwa 5,50 Meter lang und wiegt beladen bis zu 65 Tonnen.

Der POLLUX-Behälter muss den Vorschriften des Verkehrsrechts für Typ-B(U)-Verpackungen und des Atomrechts für die Zwischenlagerung von Kernbrennstoffen entsprechen. Er wäre als Transport-, Zwischenlager- und Endlagerbehälter einsetzbar.

Versuche mit POLLUX-Behältern

Die BAM unterzog einen POLLUX-Behälter in Originalgröße insgesamt sechs Fallversuchen: Unter anderem stürzte er aus neun Metern Höhe senkrecht mit dem Deckel voran sowie in Seitlage auf ein unnachgiebiges Fundament. Die Stoßdämpfer der Transportversion wurden zusammengedrückt, am Behälter selbst waren keine Risse oder Verformungen zu erkennen.

Ebenfalls unbeschädigt kam der Behälter davon, als er in weiteren Versuchen mit dem Boden nach unten sowie in Seitlage ohne Stoßdämpfer fünf Meter tief auf Beton fiel. Das Beton-Fundament wurde dagegen von den Tragzapfen durchschlagen, mehrere tiefe Risse liefen in die Platte hinein.

In einem Schrägfall aus neun Metern mit Stoßdämpfern wurde zudem die Stabilität der Deckelkante getestet. Beide Stoßdämpfer wurden dabei schwer beschädigt, die Schweißnaht des Grundblechs riss nahezu völlig. Im Gewindebereich des Abschirmbehälter-Deckels traten dagegen nicht einmal kleinste Verformungen auf: Der Deckel ließ sich problemlos aufschrauben.

Messungen am fallenden Behälter ergaben, dass die stärksten Beanspruchungen erst nach dem eigentlichen Stoß in der Phase des freien Rücksprunges auftreten. Dieses Phänomen ist auf das Zusammenspiel loser Einzelmassen zurückzuführen: Im 34 Tonnen schweren Außenbehälter steckt der 21 Tonnen schwere Innenbehälter, darin die Ladung – im Versuch ein simulierender Stahlzylinder mit einem Gewicht von 10 Tonnen. Durch elastische Reaktionen zwischen den Massen kommt es zu so genannten Relativbewegungen. Der Aufprall der einzelnen Körper erfolgt um Millisekunden versetzt. Die dadurch ausgelösten inneren Kollisionen beanspruchen das Material erheblich. Vergleichbare Effekte ermittelten die Ingenieure der BAM übrigens auch an Transportbehältern für unbestrahlte Brennelemente.

Nach dem Versuch wurde der Behälter ins Herstellerwerk zurück transportiert und in Gegenwart von BAM-Mitarbeitern geöffnet. Keine der Behälter-Komponenten zeigte Schäden, die die Funktion des POLLUX, die Abschirmung und den sicheren Einschluss radioaktiven Materials, beeinträchtigt hätten.

1.4 Gusscontainer für nicht wärmeleitende radioaktive Abfälle

Versuche mit Gusscontainern Typ VI

Für radioaktive Abfälle, die keine Wärme entwickeln, wurde der Gusscontainer Typ VI konstruiert. Es handelt sich um einen Behälter aus Sphäroguss GGG 40 des Herstellers GNS. Als GGG 40 bezeichnet man Gusseisen mit Kugelgraphit, das stahlähnliche Zähigkeitseigenschaften besitzt.

Der Gusscontainer wirkt mit seinen Maßen 2 x 1,7 x 1,6 Metern wie ein leicht in die Höhe gezogener Würfel. Seine Wände sind 15 Zentimeter dick, er wiegt leer 18,4 Tonnen. Der kreisrunde Deckel wird mit dem Behälterkörper verschraubt und mit einem Elastomerdichtring abgedichtet.

Die BAM führte zahlreiche Tests mit Gusscontainern vom Typ VI durch: Seit 1991 fanden Hebe- und Stapeldruck-Prüfungen sowie Fallversuche statt. Diese wurden 1995 durch Tests ergänzt, bei denen der Prüfling im Vorfeld auf -20 Grad Celsius abgekühlt wurde, um die Sprödigkeit des Materials zu steigern. Zusätzlich wurden dem Behälter fünf künstliche, rissartige Fehler zugefügt, bevor er fünf Meter tief auf ein Fundament fiel, das dem geplanten Endlager „Konrad“ entspricht. Den Sturz überstand der Behälter, ohne undicht zu werden.

Den Fallversuchen folgte ein Brandversuch auf dem Brandprüfstand in Lehre. Um einen vollen Behälter zu simulieren, wurde der Gusscontainer mit Kugelharz, so genanntem Ionenaustauscherharz, befüllt. Den Behälter setzte die BAM dann einem einstündigen Feuer aus, um die Druckentwicklung zu messen und eventuelle Leckagen aufzuspüren. Die Oberfläche der Innenwand erhitzte sich im Laufe des Versuchs auf fast 400 Grad Celsius. Die Leckagerate blieb dabei deutlich kleiner als der zulässige Höchstwert.

2. Transportbehälter für unbestrahlte Brennelemente

2.1 ANF-Behälter

Die ANF-Behälter wurden entwickelt, um "frische", unbestrahlte Brennelemente zur Nutzung in Kernkraftwerke zu transportieren. Der Prototyp ANF-10 ist etwa 4,70 Meter lang, 0,6 Meter breit und 0,4 Meter hoch. Die größere Variante ANF-18 bringt es auf eine Länge von 5,90 Metern, auf 1,20 Meter Breite und 0,8 Meter Höhe. Beide enthalten je zwei Schächte für Brennelemente.

Die Schächte sind aus geschichteten Aluminium-Waben gefertigt, die von Austenitstahl ummantelt werden (Foto: Schächte ohne Schutzdeckel). Austenitische Stähle sind unmagnetisch, zäh und zeichnen sich durch eine hohe Warmfestigkeit und Korrosionsbeständigkeit aus. Hersteller der Behälter ist die Firma Advanced Nuclear Fuels GmbH (ANF) in Lingen.

In den Schächten können Brennelemente, die aus Bündeln von Brennstäben bestehen, sowohl mit als auch ohne eigenen Schutzkasten transportiert werden. Die Brennstäbe enthalten Uranoxid oder Gadoliniumoxid-/ Uranoxid-Tabletten, so genannte Pellets. Das Material steckt in gasdicht verschweißten Hüllrohren.

Von unten werden die Behälter von Polyethylenplatten geschützt. Die Zwischenräume zwischen den Kästen und Schächten werden mit Schaumstoffplatten aufgefüllt. Die Masse eines leeren ANF-10-Transportbehälters beträt 880 Kilogramm, die eines ANF-18 2680 Kilogramm.

Versuche mit ANF-Behältern

Um die Stabilität der ANF-Behälter zu testen, wurden sie mit Dummy-Stäben gefüllt, die in Form und Gewicht den echten Brennelementen gleichen. Einmal mit und einmal ohne Schutzkasten wurden insgesamt 565 Kilogramm (ANF-10) bzw. 1740 Kilogramm (ANF-18) Dummy-Stäbe in die Prüflinge geladen. Dann unterzogen wir sie mehreren Fallversuchen, um den größtmöglichen Schaden eines Unfalls zu simulieren.

Dazu wurden die Behälter aus 1,3 sowie 9,6 Metern Höhe auf ein Beton-Fundament fallen gelassen. In einer weiteren Variante fielen sie aus einem Meter Höhe auf einen festen Stahldorn von 15 Zentimetern Durchmesser.

Die Brennelemente wurden in Fallrichtung gestaucht, es kam zu kleinen Biegeverformungen. Beim Modell ANF-18 wurde durch den Stahldorn der Blechboden aufgerissen. Die Schächte für die Brennelemente wurden eingedrückt, aber nicht durchstoßen. An den Dummy-Stäben waren keine Beschädigungen zu erkennen.

Um die Widerstandsfähigkeit der Außenseiten gegen Stöße zu testen, ließen wir aus einer Höhe von 1,20 Meter eine 6 Kilogramm schwere Stange auf die Seitenwände fallen. Die Wände wurden um zwei bis drei Millimeter eingedrückt, die Stange durchstieß das Blech aber nicht.

In einer Erhitzungsprüfung wurden die ANF-10-Behälter außerdem für 30 Minuten einem Feuer von ca. 900 Grad Celsius ausgesetzt. Die Dummy-Stäbe erhitzten sich dabei auf 510 Grad Celsius. Schaumstoffe, Polyethylenplatten und Gummidichtungen verbrannten vollständig. Die Dummy-Stäbe verformten sich leicht, wiesen aber keine Leckage auf.

In keinem der simulierten Unfälle wäre Radioaktivität ausgetreten. Nach den Versuchen und ihrer Auswertung in den Jahren 2000 und 2001 gehen wir deshalb davon aus, dass die Behälter als sicher anzusehen sind.

2.2 ESBB-Behälter

Das Kürzel ESBB steht für Einzel-SNR-Brennelement-B ehälter. Der ESBB soll jeweils ein unbestrahltes SNR-Brennelement des nicht in Betrieb gegangenen Schnellen Brüters in Kalkar aufnehmen. Dieses besteht aus einem Edelstahl-Hüllrohr, in dem der radioaktive Inhalt aus gesinterten Pellets eingeschlossen ist.

Der Behälter selbst besteht im wesentlichen aus einem vier Meter langen nahtlosen Stahlrohr von knapp 16 Zentimetern Durchmesser. Der erste Prototyp besaß einen eingeschweißten Boden und einen eingeschraubten Verschluss-Stopfen. Dieser Stopfen ließ sich mit Hilfe einer Spindel ausweiten. Indem sich der Deckel von innen an das Rohr anpresste, wurde dieses dicht verschlossen. In den insgesamt sechs Fall- und einem Brandversuch, die wir im Jahr 1997 durchführten, erwies sich die Konstruktion aber als ungeeignet. Schon im ersten Fallversuch wurde der Deckel durch Verformungen des Behältermantels undicht. Die radial verpresste Metalldichtung erwies sich als ungeeignet.

Der Hersteller nahm daraufhin konstruktive Veränderungen am ESBB vor. Der Verschlußstopfen wurde mit dem Behälter verschweißt. Die Metalldichtung wurde durch eine Dichtschweißnaht ersetzt.

Mit zwei modifizierten Prototypen führten wir im Jahr 1998 ebenfalls sechs Fallversuche durch. Viermal stürzten die Behälter aus neun Metern Höhe auf ein unnachgiebiges Fundament, zweimal aus einem Meter Höhe auf einen Dorn. Beim Schräg- und Horizontalfall wurden sie teilweise deutlich verformt: Beim Fall aus neun Metern Höhe mit einer um 20 Grad geneigten Längsachse bog der Behälter um 30 Millimeter durch. Die Schweißnaht blieb allerdings unbeschädigt, wie Helium-Dichtheitsmessungen ergaben. Der ESBB-Behälter ist damit als unfallsicher anzusehen.

2.3 weitere Behälter

Fallversuche führte die BAM im Jahr 1999 mit dem Transportbehälter Typ RA-3D des Brennelemente-Herstellers ENUSA Industrias Avanzadas S.A. in Spanien durch.

Der RA-3D wurde seiner Prüfung nicht auf dem BAM-Versuchsgelände, sondern im spanischen Salamanca auf dem Betriebsgelände des Herstellers ENUSA unterzogen. Der Grund: Die in den Prüfling geladenen Brennstab-Bündel waren mit Uranoxid-Pellets aus Natur-Uran gefüllt. Die erforderliche Genehmigung wurde in Spanien schneller erteilt als dies in Deutschland möglich gewesen wäre. Drei unserer Mitarbeiter reisten mit eigenen Messgeräten nach Spanien, um dort die üblichen Fallversuche aus 1,2 und 9 Metern Höhe sowie aus einem Meter Höhe auf einen Stahldorn durchzuführen.

Im Jahr 2000 wurden Schutzbehälter für unbestrahlte MOX-Brennelemente des Herstellers Nuclear Cargo + Service GmbH (NCS), Hanau, getestet.

Die MOX-Schutzbehälter wurden als Modelle im Maßstab 1:2 geprüft. Die Originale wurden für den Transport unbestrahlter MOX (Uran-Mischoxid)-Brennelemente für Siedewasser- und Druckwasser-Reaktoren entwickelt.

Die Außenhülle der Schutzbehälter besteht aus 8 Millimeter dickem Stahlblech (im Modell 4 Millimeter), darunter liegt eine 30 Millimeter starke Auskleidung aus Fichtenholz (Modell: 15 Millimeter). 20 und 35 Zentimeter tiefer (Modell: 10 Zentimeter) liegt das Stahlblech des Innenbehälters.

Der Zwischenraum dient als „Knautschzone“, um bei Unfällen Stöße abzufangen. Beim Dornversuch wurde beispielsweise das Außenblech aufgerissen, das Holz splitterte, wurde aber nicht durchschlagen. Eine 54 Millimeter hohe Beule entstand, die den Innenbehälter aber nicht berührte. Die Brennelemente blieben unversehrt.